Zurück auf Start DL Flora & Fauna - Winterstürme und Sonnenschein

12. - 27. 2. 2022
 
Da Reisen weiterhin nicht im gewohnten Umfang möglich sind, werde ich meinen Urlaub wieder im eigenen Land verbringen und bei mehreren Ausflügen auch einige DLFF-Gebiete aktivieren.
 
DLFF-0861 - Spandauer Forst nach oben
 
Kartenausschnitt Spandauer Forst © Bundesamt für Naturschutz Quasi direkt vor meiner Haustür gibt es seit dem letzten Update mit dem Spandauer Forst DLFF-0861 ein neues DLFF-Gebiet. Dieses Landschaftsschutzgebiet ist 1347 Hektar groß. Es umfasst auch 3 Naturschutzgebiete (auf der Karte von West nach Ost): Eiskeller und Spandauer Luchwald, Großer und Kleiner Rohrpfuhl, Teufelsbruch und Nebenmoore.
 
Station unter einer Eiche im Spandauer Forst Aufgrund der Nähe und des Wetters bot es sich an, am 13. 2. dieses mir bestens bekannten Gebiet zu aktivieren. Als Standort nutzte ich die auf einer großen Wiese stehende Eiche genau hier. Damit der Antennenmast mit der Vertikal daran nicht umkippte, befestigte ich ich ihn an einem der unteren Äste. Da Wochenende war und auf den klassischen Bändern ein Contest lief, wählte ich das 30-m-Band. Bei 11 °C und mäßigem Wind in der Sonne sitzend erreichte ich innerhalb von 2¾ Stunden 44 QSOs zu Stationen aus ganz Europa.
 
DLFF-0860 - Pfaueninsel nach oben
 
Kartenausschnitt Pfaueninsel © Bundesamt für Naturschutz Relativ nahe zu meinem Wohnort befindet sich ein weiteres neues DLFF-Gebiet: die Pfaueninsel DLFF-0860, die laut den Daten bisher noch nicht aktiviert wurde. Diese 67 Hektar große Insel gehört zum gleichnamigen, 88 Hektar großen Naturschutzgebiet.
 
Vor der Aktivierung sollte man ein paar Dinge beachten: Die Pfaueninsel ist nur per Fähre erreichbar. Die Fähre verkehrt abhängig von der Jahreszeit zu unterschiedlichen Zeiten, im Januar und Februar beispielsweise von 10 - 16 Uhr. Die jeweils gültigen Fahrzeiten sind auf der Vorverkaufsseite bei "Preise und Tickets" zu finden. Der Preis von derzeit 4 € für die weniger als eine Minute dauernde Überfahrt ist gleichzeitig der Eintritt. Das Übernachten auf der Insel ist nicht möglich. Kleiner Hinweis: Auf der Rückseite der Eintrittskarte, die man auf der Fähre erhält, befindet sich ein gut zur Orientierung geeigneter Lageplan.
 
Pfau in der Nähe der Voliere auf der Pfaueninsel Am 15. 2. herrschten bedeckter Himmel, mäßiger Wind mit Böen und 8 °C. Daher hielt ich nach einem Spaziergang in der Nähe des Ufers Ausschau nach einen windgeschützten Platz. Es gibt über die gesamte Insel verteilt zahlreiche Bänke, die sich zum Sitzen und dem Aufbau der Station eignen. Ich wählte eine Bank mit integriertem Tisch an der "Liegewiese" genau hier. Wahrscheinlich ist es dort bei wärmerem Wetter nicht so ruhig. So bequem habe ich jedenfalls schon lange nicht mehr im Freien gefunkt.
 
Stationsaufbau an der Liegewiese auf der Pfaueninsel Erstaunlicherweise antworteten bereits nach ein paar CQ-Rufen auf 20 m die ersten Stationen. Einem Parkwächter, der per Auto eine "Kontrollrunde" unternahm, fiel mein Antennenmast auf. Wir kamen ins Gespräch und ich konnte ihm erläutern, was ich da mache und er bedankte sich am Ende sogar für die Informationen. Leider war danach 20 m wegen einer lokalen breitbandigen Störung nicht mehr brauchbar. Nach dem Wechsel auf 30 m und einem CQ-Ruf kamen die Anrufer jedoch wieder und zeitweise trat ein kleines Pile-up auf. Als dann eine Zeitlang niemand mehr auf 30 m antwortete, wechselte ich auf 40 m. Der Ansturm dort war beträchtlich. Doch nach insgesamt 1½ Stunden wurden meine Finger klamm, was bei Telegrafie und manuellem Loggen nicht von Vorteil ist. Daher musste ich bedauerlicherweise die Station vorzeitig schließen.
 
Aktivierungskreis um das Schloss Pfaueninsel © COTAGroup Am Ende standen nur 47 QSOs für dieses bisher nicht aktivierte DLFF-Gebiet im Logbuch. Die erreichten Stationen befanden sich in ganz Europa, aber auch eine in den USA.
 
Nachtrag: Erst ein paar Tage nach der Aktivierung habe ich entdeckt, dass das Schloss Pfaueninsel als BLB-012, DL-03916 für WCA/COTA zählt. Dafür darf man aber nicht weiter als 1 km vom Schloss entfernt sein.
 
DLFF-0178 - Kremmener Luch nach oben
 
Das für die Nacht vorhergesagte Sturmtief "Ylenia" mit Windböen bis Stärke 10 war noch nicht vollständig durchgezogen. Im Hinblick auf die eigene Sicherheit in dem weitgehend baumlosen Zielgebiet habe ich daher kurzfristig die für den 17. 2. auf der WWFF-Webseite angekündigte Aktivierung des Naturschutzgebiets Kremmener Luch DLFF-0178 abgesagt.
 
DLFF-0178 - Kremmener Luch nach oben
 
Naturschutzgebiet Kremmener Luch © BfN Das nächste Sturmtief war für die Abendstunden des 18. 2. angekündigt. Vorher wagte ich einen weiteren Versuch, in das Naturschutzgebiets Kremmener Luch DLFF-0178 zu gelangen. Der zu Hause favorisierte Standort hier war überschwemmt. Der hier gelegene schmale Waldstreifen nahe eines Fahrwegs wäre alternativ geeignet gewesen, doch ich suchte mir einen schöneren Platz.
 
Beobachtungshaus im Kremmener Luch Parallel zu den vielen Wassergräben, die das gesamte Gebiet durchziehen, führen meist recht sumpfige Wege. Doch nur über diese gelangt man unter anderem zu Plätzen, die zum Beobachten von Vögeln dienen. Das erste "Vogelhäuschen", das ich sah, war sehr klein. Darin hätte ich mich wahrscheinlich neben Station und Rucksack nicht mehr bewegen können.
 
Der nächste, mir geeignet erscheinende Beobachtungsplatz war zwar etwas größer, jedoch stand er beängstigend schief auf seinem Gerüst direkt neben einem Graben. Die Wiese, an dessen Rand er sich befand, war zwar zu großen Teilen überschwemmt. Doch am Wassergraben entlang kam ich halbwegs trockenen Fußes dorthin und zu dem leicht erhöhten Platz genau hier, auf dem er stand.
 
Das Gerüst der Hütte diente zur Befestigung des Antennenmastes und der Platz darunter zum Aufbau der Station. Bis eine Stunde später der als Vorbote des Sturmtiefs "Zeynep" vorhergesagte Regen eintraf, konnte ich auf 20 und 30 m insgesamt 18 QSOs zu Stationen in Europa und eines in die USA erreichen.
 
DLFF-0459 - Schlosspark Lichterfelde nach oben
 
Naturschutzgebiet Schlosspark Lichterfelde © BfN Nachdem das Sturmtief "Zeynep" durchgezogen war, sich der Wind gelegt hatte und da es nicht regnen sollte, fuhr ich am Nachmittag des 19. 2. zum Naturschutzgebiet Schlosspark Lichterfelde DLFF-0459.
Es gibt den öffentlich zugänglichen Teil des Schlossparks Lichterfelde und das direkt daneben liegende, 2,6 Hektar große Naturschutzgebiet mit gleichem Namen.
 
Zaun und verschlossene Tür zum NSG Schlosspark Lichterfelde Damit begann das Dilemma. Der öffentlich zugängliche Teil des Schlossparks ist lediglich eine geschützte Grünfläche. Das Naturschutzgebiet ist mit einem Zaun abgetrennt. Es gibt nur an der in Richtung Gutshaus liegenden Zaunecke eine Tür, die aber verschlossen ist. Ein Zugang zum NSG ist somit nicht für jedermann möglich. Doch ein freier Zugang ist Voraussetzungen, damit ein Gebiet in die DLFF-Liste aufgenommen wird. Die bloße Existenz eines NSG reicht nicht.
 
Station unter Eichen im Schlosspark Lichterfelde In den DLFF-Regeln steht außerdem, dass sich die Station innerhalb des jeweiligen Gebiets befinden muss. Dies ist bei DLFF-0459 aufgrund des Zauns nicht möglich. Da ja schon Funkamateure von dort aktiv wurden, die wohl kaum über den Zaun geklettert sind, wählte ich eine Position nahe am Zaun genau hier. Eine der dort stehenden alten Eichen diente zur Befestigung des Antennenmasts und ein darunter liegender Holzstamm zum Aufbau der Station. Innerhalb einer Stunde konnte ich auf 30 m 25 QSOs zu europäischen Stationen erreichen.
 
Nachtrag: Da kein freier Zugang zum NSG Schlosspark Lichterfelde DLFF-0459 vorhanden ist, wurde es am 31. 3. 2022 von der DLFF-Liste gestrichen. Das am Rand des Schlossparks liegende Gutshaus Lichterfelde, auch als Carstenn-Schlösschen bekannt, zählt jedoch ungeachtet der Streichung weiter als BLB-020, DL-05013 für WCA/COTA.
 
DLFF-0846 - Görner See nach oben
 
Naturschutzgebiet Görner See © BfN Seit dem letzten Update im Dezember befindet sich auch das Naturschutzgebiet Görner See DLFF-0846 auf der Liste der DLFF-Gebiete. Es umfasst ein 226 Hektar großes Gebiet um den gleichnamigen, 38 Hektar großen, aber nur maximal 1 m tiefen See. Das NSG gehört zwar schon immer zum Naturpark Westhavelland DLFF-0133, zählt aber nun separat.
 
Die letzten Ausläufer des Sturmtiefs "Antonia" zogen in der Nacht ab. Es wurde zwar noch lebhafter Wind mit Stärke 4 vorhergesagt, doch schon 8 °C und nur teils bewölkter Himmel. Das sind schon recht angenehme Bedingungen, um im Freien zu Funken. Daher machte ich mich am 22. 2. auf den Weg in dieses bisher scheinbar nicht aktivierte Gebiet.
 
Panorama - Blick über den Görner See
 
Station am Görner See Bereits zu Hause hatte ich mir ein paar mögliche Standorte ausgesucht. Doch als ich beim zuerst angesteuerten Punkt am nördlichen Seeufer genau hier ankam, riss die Wolkendecke auf und die Sonne schien. Daher blieb ich. Dort liegen auch ein paar Ruderboote und man kommt direkt ans Wasser, da der Schilfgürtel dort Lücken hat.
 
Ein umgestürzter Baum diente zur Befestigung des Masts und zum Aufbau der Station. Innerhalb von 1¾ Stunden gelangen auf 20, 30 und 40 m insgesamt 55 QSOs zu Stationen in ganz Europa. Auf 40 und 30 m war zwar das leise Knacken eines Weidezauns zu hören, was bei den vielen Viehweiden in Görne nicht verwundert, doch es störte nicht. Als irgendwann niemand mehr auf meine CQ-Rufe antwortete, baute ich die Station ab und trat den Rückweg an.
 
DLFF-0375 - Havelländisches Luch nach oben
 
Naturschutzgebiet Havelländisches Luch © BfN Als Ziel für den 24. 2. hatte ich mir das Naturschutzgebiet Havelländisches Luch DLFF-0375 ausgesucht. Dieses etwa 300 km² (30000 Hektar) große Gebiet gehört zwar zum Naturpark Westhavelland DLFF-0133, zählt aber seit Jahren schon für das DLFF-Programm als separates Gebiet.
 
Großtrappen im Havelländischen Luch In der Nähe von Buckow wurde ein 30 Hektar großes Areal eingezäunt, auf dem die im Luch lebenden Großtrappen geschützt vor Fraßfeinden (Fuchs, Marderhund) ihre Brut aufziehen können. Von der Straße aus konnte ich keinen der großen Flugvögel entdecken. Und es soll im Luch laut Vogelwacht mittlerweile wieder etwa 140 Vögel geben. Daher fuhr ich weiter bis zum Beobachtungsturm genau hier. Von dort aus ließen sich in nur etwa 250 m Entfernung und weit außerhalb der Einzäunung zumindest 7 Vögel erspähen. Obwohl die Balz erst im April ist, zeigten die beiden Hähne der Gruppe schon ihre weißen, flaumigen Unterfedern - wenn auch nicht für längere Zeit.
 
Station und Beobachtungsturm im Havelländischen Luch Der Beobachtungsturm diente mir danach als Windschutz. Um die anwesenden Vogelbeobachter auf der Plattform nicht zu stören, baute ich die Funkstation auf einem der Betonsockel auf. Mein Fahrrad nutzte ich als Befestigung für den Mast. Bis mir die Finger zu klamm wurden, konnte ich innerhalb einer Stunde auf 20 und 30 m insgesamt nur 20 QSOs erreichen, davon eines in die USA.
 
Vorbereitung, Station und Auswertung nach oben
 
DLFF-Gebiete © WWFF Unter anderem die Map der WWFF-Webseite gibt an, wo es DLFF-Gebiete gibt. Die Gebietsgrenzen lassen auf der Karte des Bundesministerium für Naturschutz (BfN) angezeigen.
Eine meines Erachtens gute Alternative zu Papierkarten ist OpenStreetMap. Die Karten der auf ihren Daten basierenden App OsmAnd sind selbst dann nutzbar, wenn man unterwegs keine Verbindung zum Internet hat oder kein Datenvolumen in Anspruch nehmen möchte.
 
Für die oben beschriebene Aktivitäten habe ich einen Elecraft KX3 mit eingebautem Antennentuner verwendet. Als Antenne kam eine 10 m lange Drahtvertikal mit einem einzigen 10 m Radial an einem 10-m-GFK-Mast Mini von DX-Wire zum Einsatz. Ein Mast hat den Vorteil, dass man keine hohen Abspannpunkte benötigt. Selbst das bei mir stets vorhandene Fahrrad kann als Mastbefestigung dienen. Bei Telegrafie und 5 W Sendeleistung reichte ein LiFePo4-Akku von BMZ mit 13,2 V/2,5 Ah für einige Stunden Betrieb aus.
 
Ich logge altmodisch auf Papier mit einem Bleistift. Kugelschreiber versagen ihren Dienst, wenn das Papier feucht geworden ist, was im Freien schnell passieren kann.
 
Nach der Rückkehr ins heimische Shack denke ich stets nochmals an die erreichten Funkpartner. Sie wollen ja das eine oder andere Diplom erreichen, die meist online beantragt werden. Daher müssen die QSO-Daten in die von allen FF-Teilnehmern genutzte Datenbank. In Deutschland kann das über die auf der DLFF-Webseite genannte Adresse erfolgen. Zum nachträglichen Loggen und der Ausgabe als ADIF-Datei nutze ich das Programm Fast Log Entry (FLE) von Bernd Koch, DF3CB.
 
Am Ende jeden Tages nahm ich den Ausflug noch einmal kritisch in Augenschein. Die Erkenntnis, wo es Schwierigkeiten gegeben hat, hilft mir, diese beim nächsten Mal zu vermeiden.
 
73/72 de Ingo, DK3RED − Nicht vergessen: Der Spaß ist die Energie! nach oben