7 Tage, 7 Gipfel − SOTA im Schwarzwald

28. September bis 4. Oktober 2019
 
Summits on the Air Als Flachlandbewohner nutzte ich die Zeit vor dem Treffen der QRPer und Selbstbauer im Schwarzwald wieder für die Aktivierung einiger Gipfel des SOTA-Programms. Diesmal stand mir jedoch eine ganze Woche zur Verfügung und nicht nur 3 Tage, wie in den Vorjahren.
 
Vorbereitung
 
Wanderkarte Schluchsee Wer auf dem SOTA mapping project unter "Define range" einen Ort und eine maximale Entfernung eingibt, bekommt mögliche Gipfeln angezeigt. Diese elektronischen Landkarten diente mir jedoch nur zur groben Orientierung. Für die Wanderungen selbst hatte ich mir im Supermarkt im Zentrum von Schluchsee und in der Tourist-Information mehrere Wanderkarten gekauft, die die Gegend im Maßstab 1:25000 wiedergeben. Diese wasser- und reißfesten Karten sind auch über die Hochschwarzwald Tourismus GmbH erhältlich.
Da ich das Hotel Jägerhof für mindestens 3 Übernachtungen gewählt hatte, erhielt ich eine Hochschwarzwald-Karte (Konus-Karte). Sie berechtigt unter anderem zur kostenlosen Nutzung aller Busse und Bahnen im Schwarzwald. Anhand der auf den Wanderkarten vermerkten Haltestellen und der Webseite der Deutsche Bahn ließen sich neben Zug- auch Busverbindungen zu den Startpunkten der Wanderungen suchen.
 
Tag 1: Wagnersberg, SOTA DM/BW-849 − für Kurzentschlossene
 
Blick zum Wagnersberg Da ich bereits am frühen Nachmittag in Schluchsee ankam, bot sich noch die Aktivierung eines in der Nähe liegenden Bergs an. Nur 3 km Luftlinie entfernt befindet sich am Ostende des See oberhalb von Seebrugg der Wagnersberg. Ich wählte den Fußweg nach Seebrugg. Oberhalb der Straße führt ein Wanderweg an der Kanzel genannten Steinformation vorbei bis zum Bahnhof. Von dort nutzte ich den Fußweg neben der Straße bis zum eigentlichen Startpunkt der Aktivierung. Von der B500 nahe der Jugendherberge (995 m) führen mehrere Wege den Hang hinauf. Ich wählte diesmal den Tirolerweg bis zur Tirolertanne und von dort einen recht steilen Weg bis zu dem oben verlaufenden Tafeltannweg. Im Bogen geht es bis zu einem im Sommer wahrscheinlich bewohnten Haus.
Da Fortsarbeiten auf dem Gipfel stattfinden, führt vom Haus aus ein breiter Fahrweg hinauf − einen richtigen Wanderweg gibt es nicht. Oben auf dem Gipfel (1105 m) stehen kaum noch Bäume. Den Gipfelstein konnte ich nicht mehr entdecken. Ich wählte den Hochsitz als Standort und einen Baumstumpf als Halterung für den Mast.
Beim Aufbau der Station merkte ich jedoch, dass ich den Adapter zur Befestigung der Zweidrahtleitung in der Unterkunft gelassen hatte. Dafür hatte ich das Ladegerät dabei, obwohl keine Steckdose in der Nähe war. Was nun? Sollte ich ohne QSO wieder zurück gehen? Zum Glück hatte ich noch ein kurzes Stück Draht dabei, den ich zum Bündeln der Heringe verwende. Einen Pol der Antenne verband ich mit der Masse der Stromversorgung. Mit dem Draht verknüpfte ich notdürftig den anderen Pol mit dem Mittelanschluss der BNC-Antennenbuchse des Transceivers. Der eingebaute Antennentuner übernahm den Ausgleich dieser zusätzlichen Störstelle. Relativ schnell waren nach diesen Bauarbeiten die erforderlichen 4 QSOs im Logbuch.
So konnte ich noch im Hellen den Rückweg antreten. Dafür wählte ich ab der Tirolertanne einen kurzen, aber steilen Forstweg, der wieder auf die B500 nahe der Kreuzung Seebrugg trifft. Da es noch ausreichend hell war, nutzte ich diesmal den Wanderweg, der etwa 30 m oberhalb der Straße bis zu den Kohlgruben nahe dem Bahnhof Seebrugg geht. Von dort führt der Mittlerweg in einem langen Tal zurück nach Schluchsee.
 
Tag 2: Winterberg, SOTA DM/BW-851 − keine anderen Wanderer
 
Luftlinie nur 3,5 km von Schluchsee entfernt liegt der Winterberg. Für den 5,1 km langen Aufstieg wählte ich einen Weg, der nördlich aus Schluchsee (932 m) hinaus und dann zum Hanselhof führt. Über den oberen Stutzweg ging ich bis zum Anfang des oberen Bildsteinwegs. Dort biegt im rechten Winkel ein steiler Weg zu einem schmalen Waldweg ab, der parallel zum Ahabergrundweg führt. Nach etwa 1,5 km zweigt nach rechts ein Weg ab, der den Ahabergrundweg überquert und weiter den Hand hinauf führt. Am Hochstand gibt es einen halb zugewachsenen Weg in Richtung Winterberg. Einen Gipfelstein oder ein Gipfelkreuz habe ich auch nach längerem Suchen auf dem 1175 m hohen flachen Gipfelplateau nicht entdecken können.
Auf einer Lichtung baute ich auf einem Baumstumpf die Station auf. Ein Baum diente zur Befestigung des Masts. Mit 9 QSOs mehr im Logbuch trat ich 1 Stunde später den Rückweg an.
 
Bild vom Bildstein auf den Schluchsee
 
Für den 7,6 km langen Abstieg wählte ich den Weg bis zum Ahabergrundweg. Auf ihm ging es bis zum Kohlplatz und von dort zum Bildstein (1136 m). Die Aussicht von diesen Felsenklippen über den Schluchsee ist herausragen. Das wussten auch die anderen fast 30 Wanderer, die ich dort antraf. Für den Rückweg wählte ich anfangs einen Teil des direkten kurzen Wegs bis Aha. Am Oberen Bildsteinweg bog ich auf einen breiten Forstweg ab, der auf den Unteren Bildsteinweg führt. Dieses Wegstück ist auch Teil des Europäischen Fernwanderwegs E1. Auf diesem Weg landet man oberhalb des Campingplatzes wieder in Schluchsee (932 m).
 
Tag 3: Feldberg, SOTA DM/BW-001 − Wind und Wolken
 
Blick zum Feldberg In der Nacht zog ein Sturmtief über den Norden Deutschlands. Doch der Süden und somit auch der hoch liegende Schwarzwald blieben nicht ganz verschont.
Als Startpunkt für die Aktivierung wählte ich die Busstation Feldberg/Feldberghof (1230 m). Nahebei befindet sich die Talstation der Feldbergbahn, dem Sessellift, der zum Feldbergturm auf dem Seebuck (1448 m) führt. Der Wind auf der windabgewandten Seite des Berges war noch so stark, dass der Sessellift nicht in Betrieb war. Ich nahm daher den recht steilen Weg am Waldrand entlang. Oben blies Wind mit Stärke 6 Bft (40 bis 50 km/h) und die Wolken streiften zeitweise den Gipfel. Von der Bergstation gibt es einen halbwegs ebenen Fußweg und auch eine Straße zum 2 km entfernten Feldberg (1493 m).
Dort angekommen baute ich rasch die Station an einer Bank auf, die an dem oben um den Gipfel führenden Rundweg liegt. Recht schnell wurden mir die Finger so klamm, dass ich Stift und Notizbuch kaum noch halten konnte. Am Ende war ich froh, 4 gültige QSOs ins Logbuch bekommen zu haben. Ein QSO blieb unvollständig, da ich den Rapport im ersten Durchgang nicht aufnehmen konnte und auf eine Rückfrage keine Antwort erhielt.
Für den Rückweg wählte ich die Straße, die an der tiefsten Stelle zwischen dem Feldberg und dem Seebuck auf der windabgewandten Seite zum Haus der Natur und somit der Bushaltestelle führt. Ich nahm wie bei der Hinfahrt den Bus bis Feldberg-Bärental und von dort die Bahn bis Schluchsee.
 
Tag 4: Weißtannenhöhe, SOTA DM/BW-014 − vom Wetter unabhängig
 
Gipfelstein (links) und Gipfelpfahl auf der Weißtannenhöhe Als Startpunkt für die Aktivierung der Weißtannenhöhe wählte ich die Bushaltestelle Breitnau/Löwen (993 m). Jede Stunde fährt ein Bus vom Bahnhof Hinterzarten bis Kirchzarten oder Breitnau dorthin. Und Hinterzarten ist nur 5 Stationen mit der Bahn von Schluchsee entfernt.
Der 2,8 km lange Weg führt anfangs eine schmale Straße entlang, bevor er in den Wald abbiegt. Der kürzeste Weg führt über den Punkt Im alten Holzhofweg (1115 m), ab dem es recht steil den Hang hinauf geht. Oben trifft man auf die Schutzhütte Weißtannenhöhe. Der Gipfel der Weißtannenhöhe (1192 m) lässt sich von dort über einen als Wanderweg ausgezeichneten Waldweg erreichen. Doch man sollte nicht zuviel erwarten. Der Gipfel ist lediglich durch einen kleinen Gipfelstein und einen unscheinbaren Holzpfahl markiert.
Schutzhütte auf der Weißtannenhöhe Ich begab mich zu der etwa 5 m tiefer liegenden Schutzhütte zurück. Sie bietet mit ihren vielen Abstellflächen und Bänken ideale Voraussetzungen zum Aufbau der Funkstation. Da kein Wochenende oder Feiertag war und somit kein Contest stattfand, versuchte ich es auf 40 m. Nach den ersten CQ-Rufen etwas oberhalb des QRP-Aktivitätszentrums kamen schnell 28 QSOs ins Logbuch. Zeitweise hatte ich zu tun, die gleichzeitigen Anrufer zu sortieren.
Noch bei Sonnenschein hatte ich die Station aufgebaut. Zwischenzeitlich regnete es jedoch und ein kurzer Hagelschauer fehlte auch nicht. Als ich nach kurzen Gesprächen mit den in der Zwischenzeit Schutz suchenden Wanderern die Station wieder abbaute, schien wieder die Sonne. Daher wählte ich ebenfalls das 6,9 km lange, abwärts führenden Teilstück des Europäischen Fernwanderwegs E1, auf dem es anfangs durch den Wald und später über kleine Straßen bis zum Bahnhof Titisee (858 m) geht. Von dort sind es nur noch 4 Stationen mit der Bahn bis Schluchsee.
 
Tag 5: Schnepfhalde, SOTA DM/BW-284 − 1. Versuch
 
Gipfelkreuz auf der Schnepfhalde Die Schnepfhalde liegt Luftlinie etwa 6 km von Schluchsee entfernt. Zwar waren morgens sogar ein paar Sonnenstrahlen zu sehen, doch die sollten laut Wetterbericht nicht bleiben. Die Wanderung begann ich diesmal an dem nur eine Station von Schluchsee entfernten Bahnhof Aha (940 m). Auf einem insgesamt 3,2 km langen Weg ging es zuerst am östlichen Ufer des Schluchsees entlang und dann auf dem Kirchweg über Äule bis zum Äulemer Kreuz (1133 m). Vom Äulemer Kreuz sind es über den Rosshüttenweg nur 1,7 km bis zur Schnepfhalde. Ich wählte jedoch den 1,5 km langen Weg auf der anderen Bergseite entlang.
Auf dem Weg zum Gipfel war ich irgendwann in den Wolken angekommen. Trotzdem stieg ich weiter aufwärts und erreichte die freie Fläche um den Gipfel (1299 m). Leider gibt es auf der Schnepfhalde weder eine Schutzhütte noch einen Hochsitz, sodass man sich auf der Freifläche oder am Waldrand einen Platz zum Aufbau der Station suchen muss. Der Aufbau der Funkstation unter diesen Bedingungen erschien mir zu gewagt. Daher wählte ich nach einem Foto des Gipfelkreuzes den 1,7 km langen Weg abwärts an der Rosshütte (1205 m) vorbei bis zum Äulemer Kreuz (1133 m) und von dort den 3,2 km langen Wanderweg zurück bis zum Bahnhof Aha (940 m).
 
Tag 6: Blößling, SOTA DM/BW-640 − grandiose Aussicht
 
Schutzhütte und Gipfelkreuz auf dem Blöling Der Wetterbericht versprach einen sonnigen Tag. Daher war mein Ziel der ungefähr 13 km Luftlinie entfernte Blößling. Die Busstation Bernau-Innerlehen/Rathaus war der Startpunkt. Von dem etwas oberhalb der Bushaltestelle liegenden Kurhaus (920 m) nutzte ich den dort mit 3,5 km ausgeschilderten Weg am Hang des Spitzkopfs hinauf. Am Wegpunkt Bödemle (1045 m) waren es noch 2 km. Weiter ging es über Oberes Himmelreich (1170 m) bis zum Blößlingssattel (1230 m). Von dort sind es nur noch 0,6 km bis zum Gipfel (1310 m).
 
Blick vom Blößling
 
Vom Gipfel bietet sich eine freie Sicht hinunter nach Bernau und auf die umliegenden Berge. Es gibt eine Schutzhütte und viele Holzbänke. Eine dieser Holzbänke nutzte ich für den Aufbau der Station. Da irgendein Contest auf 40 m lief und auf 30 m kein QSO zustande kam, blieb ich letztlich auf 20 m hängen. 6 Stationen in Frankreich, Irland und Portugal fanden Eingang ins Logbuch, aber auch zwei Schweizer erreichte ich auf ihren Bergen.
Den Rückweg trat ich auf dem 4,9 km langen Weg über das Präger Eck (1095 m), Flüssen (1060 m) und Grabenwald (980 m) bis zum Kurhaus (920 m) an. Von der Bushaltestelle nahe der Kirche ging es dann via St. Blasien und Seebrugg nach Schluchsee.
 
Tag 7: Schnepfhalde, SOTA DM/BW-284 − 2. Versuch
 
Zwar war der Himmel am Morgen durchgängig mit Wolken bedeckt, doch die Gipfel der von Schluchsee aus zu sehenden Berge waren wolkenfrei. Daher unternahm ich einen 2. Versuch, um ein paar QSOs von der Schnepfhalde ins Logbuch zu bekommen. Diesmal wählte ich die schnelle Variante bei der Anfahrt und dem Aufstieg. Mit dem Bus von Schluchsee am Äulemer Kreuz (1133 m) angekommen, war schon erkennbar, das dieser höhere Berg wahrscheinlich in den Wolken verborgen war. Doch ich wollte mir Gewissheit verschaffen und ging zügig auf dem Rossweg an der Rosshütte (1205 m) vorbei auf den Gipfel (1299 m). Oben erwarteten mich die schon vom 1. Versuch her bekannten Wolken und ich entschied mich wiederum gegen den Aufbau der Funkstation.
Der vormals schmale Weg von der Hütte hinauf wurde auf etwa 4 m verbreitert. Wahrscheinlich werden die alten Tannen am Hang demnächst gefällt. Es bleibt zu hoffen, dass danach an der Freifläche ein oder mehrere überdachte Hochstände gebaut werden, die Funkamateuren als Outdoor-Shack dienen können.
Da der Bus in der Gegenrichtung an diesem Tag schon durch war, wählte ich wieder den 3,2 km langen Wanderweg bis Aha (940 m). Die Wolken begleiteten mich bis zum See hinab.
 
Stationsausrüstung und QSL-Karten
 
Ich nutzte einen Elecraft KX3 mit 5 W Sendeleistung. Als Antenne verwendete ich eine als Inverted-V gespannte Doublet-Antenne mit 2 × 9,5 m und 8 m verdrillter Zweidrahtleitung. QRPer kennen diese Antenne bestimmt mit 2 × 6 m als Twisted-Hille. Ein 6 m langer Teleskopmast diente als Halterung für die Antenne. Eine Palm Portable Key und ein 800 g schwerer LiFePo4-Akkumulator mit 4,5 Ah ergänzten die Ausrüstung.
Es ist zum Erreichen von Diplomen für das SOTA-Programm nicht erforderlich, QSL-Karten einzureichen. Die online auf der SOTA-Webseite eingegebenen QSO-Daten reichen dafür aus. Da ich jedoch notorischer Kartensammler bin und mich über jede eintreffende QSL-Karte freue, habe ich trotzdem für alle QSOs Karten über das QSL-Büro verschickt. Hoffentlich treffen auch ebenso viele Karten wieder ein.
 
73/72 de Ingo, DK3RED − Nicht vergessen: Der Spaß ist die Energie!