Aktivierung der Alpen auf den Lowbands

22. Dezember 2018 bis 5. Januar 2019
 
Blick von Steg auf das Berggasthaus Sücka und die Gebäude der Alp Den Jahreswechsel verbrachte ich wieder im Fürstentum Liechtenstein. Ich hatte abermals ein Zimmer im Berggasthaus Sücka gebucht. Dieser Standort befindet sich auf 1402 m Höhe genau hier am Hang über dem Samina-Bach. Doch beachten Sie: Wer ein 5-Sterne-Hotel erwartet, ist hier falsch. Wer hingegen eine gemütliche Unterkunft sucht, in der man nach einem Tag wieder zu Kräften kommen kann, ist hier genau richtig. Die Umgebung ist absolut ruhig und das Essen köstlich.
 
Der letzte im Winter mit dem eigenen Auto erreichbare Punkt ist der Parkplatz am Tunnel in Steg. Dorthin gelangt man auch mit dem Bus der Linie 21 von LIEmobil, die von Vaduz bis Malbun führt. Die Straße, die von der kleinen Brücke gegenüber dem großen Parkplatz zum Berggasthaus führt, dient im Winter als Rodelbahn. Sie ist daher gesperrt und darf nicht befahren werden. Doch es gibt einen Waldweg hinauf, für den man etwa 20 Minuten braucht. Alternativ besteht die Möglichkeit, sich mit einem Shuttle-Dienst abholen zu lassen. Doch ich kann jedem nur raten, den Fußweg zu wählen. Nach dem Spaziergang schmeckt der Imbiss im Gasthaus gleich noch besser. Und hinunter kommt man mit einem Rodel, den man sich im Gasthaus ausleihen und am Ende der Rodelbahn wieder in einem Holzschuppen abstellen kann.
 
Wanderungen
 
In den Wintermonaten bin ich vor allem auf Schneeschuhen in Liechtenstein unterwegs. Schneeschuhe und Skistöcke leihe ich mir stets bei Malbun Sport im Zentrum dieses voll auf Wintersport eingestellten kleinen Orts aus. Dort sind auch Ski erhältlich, um auf den Pisten der Bergbahnen Malbun aktiv zu werden. Oder man holt sich dort Langlaufski für die Loipen der Valünaloop, die in Steg beginnen. Hinweis: Die Busse zwischen Steg und Malbun kann man im Winter kostenlos nutzen. Es ist daher stressfreier, das Auto in Steg abzustellen und bei Bedarf mit dem Bus bis Malbun zu fahren, als in Malbun lange einen Parkplatz zu suchen, den es dann doch nicht gibt.
 
Panorama vom Sareis − Panüler Kopf links 2859 m, Augstenberg Mitte 2359 m, Schweizer Bergwelt hinten rechts
 
Wenn das Wetter es zulässt, sollte man unbedingt den Sareis (2000 m) besuchen. Ab der Friedenskirche (1602 m) in Malbun führt ein als Winterwanderweg markierter Weg hinauf, der die Skipisten kreuzt. Oben gibt es das Bergrestaurant Sareis und eine atemberaubende Aussicht auf die Berge. Es führt jedoch auch ein Skilift bis dorthin.
 
Panorama oberhalb Rizlina − Blick ins Rheintal
 
Eine Wanderung, die ich jedem nur empfehlen kann, führt vom Berggasthaus Sücka zum Wildschloss und von dort nach Vaduz. Es sind nur zwei kleine Anstiege zu bewältigen, auf der restlichen Strecke geht es bergab. Ab dem Berggasthaus (1402 m) geht aufwärts bis zum alten Tunnel (1433 m). Wenn man den Tunnel durchschritten hat, geht es auf einer sich abwärts windenden Straße bis Mitätsch (1273 m). Ab dort führt ein unbefestigter Fahrweg weiter bis Masescha (1240 m).
Ruine des Wildschlosses Dort geht es nach 100 m Straße nach rechts etwa 15 m aufwärts weiter in Richtung Hinterprufatscheng (1107 m) bis zur Ruine des Wildschlosses (847 m). Der letzte Teil des Wegs zum Wildschloss führt im Wald auf einem recht schmalen Weg hinab. Hier ist bei viel Schnee Vorsicht geboten!
Von der Ruine Wildschloss geht es hinunter zum Schloss Vaduz (600 m). Der Wanderweg führt zuerst fast gerade den Hang abwärts und dann nach einem scharfen Knick im großen Bogen weiter. An dieser Stelle schlage ich immer den kürzeren Weg durch den Schlosswald ein. Die gesamte Tour ist zwar recht lang, doch da es hauptsächlich eben oder abwärts geht, ist sie in etwa 3,5 Stunden zu bewältigen. Ab "Vaduz Post" (457 m) nimmt man zuerst den Bus der Linie 21 Richtung Malbun bis zur Bushaltestelle "Steg Tunnel" (1276 m) und dann den Weg zurück bis zum Berggasthaus Sücka.
 
Panorama − Schloss Vaduz, Rheintal und Schweizer Bergwelt
 
Blick von Steg ins Valünatal - Naafkopf hinten links 2570 m, Hinterer Grauspitz hinten rechts 2574 m Ein Winterwanderweg führt von Steg aus ins Valünatal. Man kann jedoch auch am Berggasthaus beginnen. Der Weg führt von dort an den Gebäuden der Alp vorbei in Richtung Gänglesee abwärts. Wenn man das Ende des Sees erreicht hat, geht es parallel zu den Loipen in etwa 1 Stunde bis zur Alp Valüna. Zwar ist diese Alp im Winter geschlossen, doch auf der Südseite stehen ein paar Holzbänke, die zu einer kurzen Rast einladen. Zurück geht es auf dem gleichen Weg.
 
Panorama − Helwangspitz links, Kuegrat Mitte, Drei Schwestern rechts
 
Ein weiterer Rundweg um das Berggasthaus (1402 m) beginnt am alten Tunnel (1433 m). Von dort führt ein Weg den Hang aufwärts, auf dem man den Waldrand (etwa 1470 m) oberhalb des Gasthauses erreicht.
Blick zum Ochsenkopf 2286 m Nun hat man die Wahl zwischen dem Weg am Kamm durch den Wald und einem Weg am Waldrand entlang. Egal welchen Weg man wählt, man gelangt auf eine große freie Fläche (Dürraboda). Dort bietet sich eine gute Aussicht in das Saminatal, auf die Berge ringsum und vom Kamm (etwa 1540 m) aus in das Rheintal. Auf der Waldseite gegenüber beginnt auf etwa 1530 m ein Weg durch den Schwemmiwald, der zuerst aufwärts bis etwa 1570 m und dann abwärts bis zu einer Gabelung (1517 m) führt. Von dort geht es zur Alple aufwärts und zur Sücka abwärts. Nach etwas mehr als 1,5 Stunden ist man wieder am Berggasthaus.
 
Funkbetrieb
 
Das Fürstentum Liechtenstein hat das CEPT-Abkommen unterzeichnet. Daher konnte ich unkompliziert als HB0/DK3RED/P aktiv werden. Als Transceiver hatte ich einen Elecraft KX3 dabei. Zur Erzeugung der CW-Zeichen nutzte ich ein Tablet - der KX3 lässt sich direkt ansprechen. Als Reserve hatte ich eine Palm Portable Key dabei. Für die Stromversorgung nutzte ich einen LiFePo4-Akkumulator mit 4,5 Ah Kapazität.
Zwar mache ich als QRPer hinsichtlich der Sendeleistung gerne Abstriche gegenüber den sonst auf den Bändern oft zum Einsatz kommenden 100 W. Doch wenn es um die Antennen geht, darf es ruhig etwas mehr sein - zumindest, wenn es die Länge angeht.
 
Ansicht der Antenne am Hang - Antennendraht rot und Schnur grün nachgezeichnet Mich erreichten nach meiner Aktivität in Liechtenstein beim vergangenen Jahreswechsel einige Fragen hinsichtlich der auch damals schon verwendeten Antenne. Mit ihr muss ich wohl trotz lediglich 5 W Sendeleistung recht laute Signale in Europa erzeugte haben. Im Prinzip handelt es sich um den Maximalausbau der unter anderem in [1] von Karl Hille, DL1VU, beschriebene Stromsummenantenne. Er baute während seiner Südseereisen stets zuerst das für 14 MHz dimensionierte 42,3 m lange Grundsegment auf. Bei Bedarf erweiterte er es in den nächsten Tagen um weitere Segmente mit 2 × 21,4 m und/oder 2 × 42,8 m. So kam er im Endausbau auf 170,7 m.
 
Ansicht der Antenne vom Fenster aus - Baum mit Abspannung markiert Als Strahler verwendete er hochfeste Litze aus Bronze mit 1,6 mm Durchmesser eines nicht näher bezeichneten US-Fabrikats. Ich setzte stattdessen "UL" von DX-Wire ein. Diese Antennenlitze gibt es auch auf einer 170-m-Rolle für 68 € zu kaufen. Diese Litze ist mit 4 g/m sehr leicht (680 g für 170 m) und trotzdem zugfest. Sie besteht aus 6 verzinnten Kupferdrähten mit je 0,25 mm Durchmesser. Parallel eingearbeitete Aramid-Fäden gewährleistet die hohe Bruchlast von etwa 60 kg. Doch Vorsicht: Die wetterfeste Isolierung aus Polyethylen (PE) ist sehr dünn. Sie kann an scharfen Kanten schnell aufreißen, sodass dann Feuchtigkeit eindringt. Solche Stellen umwickelte ich kurzerhand mit selbst verschweißendem Isolierband.
 
Ansicht der Antenne vom Hang aus - Antennendraht rot und Schnur grün nachgezeichnet Wie Karl Hille habe ich die Antenne 8 m von einem Ende über eine Zweidrahtleitung gespeist. Bis zu 40 m Wireman (450 Ω), so wie er angibt, waren bei mir nicht erforderlich. Vom Fußpunkt der Antenne direkt vor dem Fenster führte ich eine 3 m lange 300-Ω-Leitung in das zum Shack umfunktionierte Zimmer in der dritten Etage des Berggasthauses. Die verwendete Leitung ist flach und flexibel, sodass sie sich gut im Holzfensterrahmen einklemmen lässt, auch wenn sie nach jedem Einsatz ein paar Dellen mehr bekommt. Das 8-m-Ende der Antenne hing nicht straff gespannt schräg vom Fußpunkt vor dem Fenster in Richtung Erdboden. Die "restlichen" 162 m Antennenlitze spannte ich schräg am Hang aufwärts. Der Abstand zum Erdboden betrug etwa 7 m am Haus, etwa 15 m bis 20 m über der Straße/Rodelbahn und etwa 5 m am Ende. Als ersten Abspannpunkte nutze ich die vor dem Fester angebrachte, solide Brüstung aus Metall. Den zweiten Abspannpunkt bildete ein etwa 200 m entfernter Baum. Leider kam ich mit dem als Wurfgewicht genutzten durchbohrten Golfball und dünner Maurerschnur nur etwa bis zur Hälfte seiner Höhe, um die dickere Maurerschnur und daran den Antennendraht hochzuziehen. An meine Wurftechnik muss ich definitiv noch arbeiten.
 
DL1VU verwendete zur Anpassung über die symmetrische Speiseleitung in den ersten Jahren ein Transmatch mit dahinter geschaltetem 1:4-Balun und später einen 1:6-Balun. Bei mir kam das Z-Match ZM-4 zum Einsatz. Da es einen Übertrager am Ausgang besitzt, übernimmt es die Symmetrierung und die Transformation. Die Antenne habe ich zur Ermittlung der möglichen Impedanz nicht simuliert und auch nicht vor Ort durchgemessen. Bedingt durch die Speisung kurz vor dem Strahlerende wird zumindest auf dem 160-m-Band eine relativ hohe Impedanz vorhanden gewesen sein. Doch das ZM-4 hat sie, wenn auch recht spitz, anpassen können.
 
QSL-Karte HB0/DK3RED/P Sie fragen sich bestimmt, was mit dieser Antenne und 5 W in CW möglich ist. Im vergangenen Jahr konnte ich nach CQ-Rufen auf 80 m zweimal Japan (9364 km und 9455 km) und einmal den Fernen Osten Russlands (8609 km) erreichen. In diesem Jahr war es ebenfalls nach einem CQ-Ruf eine Verbindung auf 160 m zu einer Station auf den Azoren (3089 km). Europa-QSOs waren unter Berücksichtigung der Ausbreitungsbedingungen stets möglich, auch auf den Lowbands. Und auf 20 m waren auch die Ostküste der USA und Kanadas erreichbar.
 
Zugegeben: Ich hatte stets den Vorteil, als HB0-Station begehrter zu sein, als eine DL-Station. Doch wer zu Hause keine großen/langen Antennen aufbauen kann, der sollte ruhig einmal während einer Reise oder auch beim nächsten Portabelbetrieb ein neues Antennensystem ausprobieren. Es hilft, sich "begehrt" zu machen, sei es nun durch die Aktivierung eines mehr oder weniger raren DXCC-Gebiets, dem Betrieb von eine Insel (IOTA), einem Gipfel (SOTA) oder einem Schutzgebiet (FF).
 
Auf den 6 Bändern von 160 - 17 m konnte ich insgesamt 320 QSOs zu Stationen in 37 DXCC-Gebieten erreichen, wobei ¹/₆ der Verbindungen auf 160 m, ²/₃ auf 80 m und ¹/₆ auf 40 m und höher entfielen. Alle erreichten QSOs sind im HB0-Logbuch abrufbar. Einige QSL-Karten gingen in den vergangenen Tagen schon über das Büro an die Empfänger. Die restlichen Karten folgen in nächsten Tagen, wenn die neuen Karten vom QSL-Shop eingetroffen sind.
 
Literatur:
[1] Karl H. Hille, DL1VU: Windom- und Stromsummen-Antenne. Theuberger Verlag, Berlin 2000, Kap. 15, Stromsummen-Antenne in Baukastenform, S. 106-107
 
73/72 de Ingo, DK3RED − Nicht vergessen: Der Spaß ist die Energie!