Vertikal-Antenne auf dem Balkon

Ich hatte nach dem Ablegen meiner Lizenzprüfung das Problem, eine geeignete Antenne aufbauen zu wollen. Als Mieter in einem 3-etagigen 9-Familienhaus wohne ich vom Amateurfunk her gesehen in der ungünstigsten Wohnung (mittelste Etage und mittelste Wohnung).
Zuerst stellte ich mir einen Yagi oder eine Quad auf dem flachen Dach meines Hauses vor. Ein in der Nähe wohnender OM rat mir jedoch gleich davon ab, da es dabei unbedingt der Zustimmung des Vermieters bedarf. Da ich aber auch keine Indoor-Antenne betreiben wollte, entschied ich mich für eine Vertikal-Antenne auf dem Balkon. Sie kann auf mehreren Bändern betrieben werden und erfordert bei geeignetem Aufbau keine Abspannungen.
 
Antennenträger
 
Fündig wurde ich bei Walter Spieth, DK9SQ. Er bot einen 10 m langen Fiberglas-Teleskop-Tower FTT an (seit 2008 bei WiMo erhältlich), den man auf Grund der Masse von 1,5 kg auch problemlos für den Protabel-Betrieb nutzen kann. Eingeschoben ist er nur 1,15 m lang. Innerhalb einer Minute hat man ihn auseinandergezogen und genauso schnell wieder eingefahren. Der Mast ragt etwa 8,9 m über die Balkonbrüstung hinaus.
 
Befestigung
 
Die Brüstung meines Balkons ist vollständig aus Metall und besitzt ein rundes Metallrohr als oberen Abschluss. An dieses Metallrohr schraubte ich den Mast mittels 2 gepolsterter Rohrschellen fest. Vor der Verwendung einer industrielle Kreuzschelle sah ich aus Kostengründen ab, da es auch anders ging (hi). Damit der Mast nun nicht am unteren Ende wegrutschen kann, habe ich dort eine weitere Schelle und 2 kurze Metallstreben angebracht. Die Streben sind am Balkongitter unten befestigt. Da der Mast oben festgeschraubt ist und unten auf dem Boden aufsitzt, kann er nicht zur Balkonbrüstung gedrückt werden.
 
Strahler
 
Der Strahler besteht bei mir aus der Ader einer normaler Lautsprecherleitung mit einer Länge von 10 m. An der Spitze ist sie an einer dort befestigten Halterung aus einem Angelladen befestigt. Beim Auseinanderziehen des Mastes wickle ich diese Ader unter leichtem Mastdrehen um den Mast. Wenn man es mit der aufgewickelten Drahtlänge nicht übertreibt, so rutscht der Draht auch nicht wieder herunter.
 
Gegengewicht
 
Als Gegengewicht zum Strahler benutzte ich das Metallgitter des Balkons. Eine kleine Schraube erlaubte die Befestigung des entsprechenden Drahtes. Wenn Ihnen keine Metallkonstruktion als Gegengewicht zur Verfügung steht, so probieren Sie es einmal mit normalem Drahtgeflecht. Wenn Sie davon eine möglichst große Fläche innerhalb des Balkons anbringen, so besitzen Sie dann auch ein gutes Gegengewicht für Ihre Antenne. Ein zweiter Draht von 10 m, der möglichst ausgestreckt verlegt wird, tut es aber auch.
 
Anpassung
 
Da ich den Betrieb auf allen Bändern von 80 m bis 10 m plante, kam ein entsprechendes Anpassgerät (QRP Automatic Tuner von LDG) in ein industrielles Gehäuse. Alle Zuleitungen wurden durch wasserdichte Verschraubungen in das Gehäuse geführt. Der Fußpunkt befundet sich bei mir etwa 4 m über Grund.
 
Ich hoffe, dass Ihnen meine Erfahrungen Mut dazu geben, auch in einem Mietshaus QRV zu werden. Wenn es nicht gleich eine Antenne von 10 m Länge sein soll, so sehen Sie sich ruhig einmal in einem Angelladen um. Dort werden manchmal auch kürzere Ruten zu günstigen Preisen angeboten.

Impressum