Drei Gipfel in zwei Tagen -
SOTA im Schwarzwald

1. bis 2. Oktober 2017
 
SOTA-Logo Als Funkamateur, der nur mit geringer Sendeleistung "on air" ist, bin ich öfters auch außerhalb des Shacks anzutreffen. Im vergangenen Jahr habe ich SOTA für mich entdeckt. Doch ich wohne im Flachland. Da gibt es keine Berge, die für das SOTA-Programm zählen. Ich nutzte daher wieder die Gelegenheit im Anschluss an den Besuch des QRP-Treffens in Schluchsee im Schwarzwald, um einige Gipfel zu erklimmen.
 
Vorbereitung
 
Auf dem SOTA mapping project lässt sich ermitteln, welche Gipfel im Umkreis um einen Ort liegen. Bei 20 km Radius um Schluchsee sind es acht Gipfel, die alle jeweils 10 Punkte zählen. Die Gipfel werden auf einer Karte markiert und daneben aufgelistet. Schon zu Hause hatte ich für jeden der beiden zur Verfügung stehenden Tage jeweils zwei Gipfel aus dieser Liste ins Auge gefasst.
 
Wanderkarte Feldberg Wanderkarte Titisee-Neustadt Für die grobe Vorbereitung der Aktivierungen reichte mir die auf SOTAmaps verfügbare elektronische Landkarte. Doch für die Wanderungen selbst hatte ich mir bereits im Vorjahr im Supermarkt im Zentrum von Schluchsee zwei Karten gekauft. Die Wanderkarte Feldberg gibt ein 23,6 km x 12,5 km großes Gebiet um den Feldberg detailliert im Maßstab 1:25000 wieder, die Wanderkarte Titisee-Neustadt ein 20 km x 25,5 km großes Gebiet um den Titisee im Maßstab 1:30000. Die Karten sind auch online über die Hochschwarzwald Tourismus GmbH für jeweils 4,50 € und in vielen Informationszentren vor Ort erhältlich. Der Vorteil solcher Papierkarten gegenüber einem Navigationsgerät ist, dass sie auch ohne Strom/Nachladen und ohne GPS-Anbindung in einem tiefen Tal funktionieren. Außerdem wiegen sie weniger als jedes elektronische Gerät. Das ist besonders wichtig, weil man ja alles den Berg hinauf tragen muss.
 
Die weitere Vorbereitung betraf diesmal auch Überlegungen, wie man möglichst dicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln an die Gipfel kommt. Die Entfernungen von Schluchsee aus wären ansonsten zu groß, um zwei Gipfel an einem Tag zu erreichen. Aus den Karten lässt sich entnehmen, wo sich Haltestellen in der Nähe der Gipfel befinden. Die Deutsche Bahn bietet die Möglichkeit, neben Zug- auch Busverbindungen zu suchen. Auf den oben genannten Wanderkarten sind die Positionen der Haltestellen vermerkt. Bezeichnungen in deren Nähe geben Aufschluss darüber, welche Namen die Haltestellen tragen könnten. Mit diesen Informationen lassen sich dann auf der Webseite der Deutschen Bahn die genauen Haltestellennamen und somit auch die möglichen Verkehrsverbindungen finden.
 
Hochschwarzwald-Karte Als Dank für die Buchung im Jägerhof (ehemals Landgasthof Schwörer) erhielt ich wieder eine Hochschwarzwald-Karte (Konus-Karte). Die Karte wird ab zwei Übernachtungen von über 370 Gastgebern verteilt. Mit ihr lassen sich unter anderem alle Busse und Bahnen im Schwarzwald kostenlos nutzen. Daneben kann man einmal täglich den Sessellift zum Feldberg in beiden Richtungen sowie die Schiffe auf Schluchsee und Titisee nutzen. Außerdem bietet sie freien Eintritt zu über 100 weiteren Freizeitangeboten.
 
Mit im Gepäck hatte ich meinen Elecraft KX3 mit 5 W Sendeleistung, einen 6 m langer Teleskopmast, 13-m-Dipol mit Zweidrahtleitung (Hille-Dipol), Morsetaste und einen Akkumulator. Außerdem hatte ich noch einen Tablet-PC mit, der aber in der Unterkunft blieb. Er diente nur für das Eintragen der QSO-Daten auf der SOTA-Webseite. Zum Loggen auf den Bergen nutzte ich ein kleines Notizbuch samt Bleistift. Der Bleistift hat gegenüber einem Kugelschreiber den Vorteil, dass er auch auf etwas feucht gewordenem Papier schreibt.
 
Tag 1: Herzogenhorn und Feldberg
 
Für die SOTA-Aktivierungen am 1. Tag wählte ich das Herzogenhorn und den Feldberg. Es sind die beiden höchsten Berge in Baden-Württemberg. Sie liegen in Luftlinie nur 4,5 km voneinander entfernt. Als Startpunkt für die Wanderung wählte ich den Feldbergpass in 1230 m Höhe. Nur drei Stationen mit der Dreiseenbahn entfernt von Schluchsee liegt der Bahnhof Bärental. Von dort fährt stündlich ein Bus der Linie 7300 bis zur Haltestelle "Hebelhof, Feldberg" (Richtung Zell) auf dem Pass.
 
Herzogenhorn Das erste Ziel des Tages war das Herzogenhorn (SOTA DM/BW-002) in 1415 m Höhe. Es sind 3 km vom Pass bis zum Gipfel. Nach zwei Anstiegen und einigen Fotostopps kam ich etwa eine Stunde später am Gipfelkreuz an. Zum Aufbau der Station nutzte ich eine der Holzbänke in der Nähe. Zur Befestigung des Antennenmasts diente ein Pfahl der Viehweide, die sich um den Gipfel herum befindet. Zum Glück war der Elektrozaun nicht mehr in Betrieb. Er hätte sonst unweigerlich im Empfänger ein sehr lautes Knacken im Sekundentakt hervorgerufen.
 
Da Wochenende und somit die klassischen Kurzwellenbänder mit Contest-Stationen stark belegt waren, wich ich auf 30 m aus. Es dauerte eine Weile, bis ich die erste Station erreichte. Doch auch danach ging es eher schleppend. In der Zwischenzeit hatte immer mehr Wanderer den Gipfel erreicht. Es wurde sehr voll und an einen konzentrierten Funkbetrieb war kaum noch zu denken. Daher baute ich die Station nach fünf QSOs bereits wieder ab und begab mich auf den Weg zurück zum Feldbergpass.
Panorama − Blick vom Herzogenhorn in Richtung Feldberg Dort angekommen nahm ich nicht den Fußweg zum nächsten Gipfel, sondern den Bus bis zur Talstation der Feldbergbahn, dem Sessellift, der zum Seebuck mit dem Feldbergturm darauf in 1448 m Höhe führt. Das spart 218 m Aufstieg. Von der Bergstation gibt es einen halbwegs ebenen, 2 km langen Weg zum Feldberg (SOTA DM/BW-001) in 1493 m Höhe. Die Chance, in der Nähe des Gipfels einen ruhigen Platz zu finden, der sich zudem zum Aufbau einer Funkstation eignet, scheint nicht groß zu sein. Besonders an den Wochenenden sind sehr viele Wanderer auf dem Gipfelplateau zwischen Sessellift, Aussichtsturm, Wetterwarte und Gipfelstein unterwegs.
 
Gebäude auf dem Feldberg Doch es gibt zumindest ein halbwegs ruhiges Plätzchen. Wenn man vom Hauptweg kommend über den eingefassten Gipfel hinweggeht, fällt nach 120 m rechts ein schmaler Weg am steilen Hang auf, der im spitzen Winkel in Richtung zum Feldbergturm führt. Dort befinden sich eine kleine Holzbank und (wie praktisch) ein Holzpfahl mit einem Warnschild daneben. Der ideale Platz zum Aufbau der Funkstation. Dieser Standort liegt etwa 80 m nordöstlich und nur etwa 3 m unterhalb des Gipfels, sodass er gemäß den SOTA-Regeln (maximal 25 m unterhalb des Gipfels) nutzbar ist. Mehr als fünf QSOs fanden aber nicht den Weg ins Logbuch, da ich ja noch die Zeit für den Rückweg bis zum Einbruch der Dunkelheit berücksichtigen musste. Als Rückweg wählte ich den 3 km langen Weg (Franz-Klarmeyer-Weg), der als schmale Straße südlich vom Feldbergturm stetig abwärts zum Hebelhof bzw. Feldbergpass führt. Am Feldbergpass begann auch wieder die Rückfahrt mit dem Bus.
 
Tag 2: Weißtannenhöhe ohne Hochfirst
 
Für die SOTA-Aktivierungen am 2. Tag wählte ich die Weißtannenhöhe und den Hochfirst. Sie liegen beide in der Nähe von Titisee und sind nur 6,5 km Luftlinie voneinander entfernt. Als Startpunkt für die Wanderung wählte ich die Bushaltestelle "Löwen, Breitnau" in 993 m Höhe. Ein Bus der Linie 7216 fährt einmal in der Stunde ab dem Bahnhof Hinterzarten (Richtung Kirchzarten oder Breitnau) dorthin. Und dieser Bahnhof ist der höchstgelegene Bahnhof der Höllentalbahn und nur fünf Stationen mit der Dreiseenbahn von Schluchsee entfernt.
 
Wegweiser am Löwen Die Wanderwege im Schwarzwald sind meinen Erfahrungen nach sehr gut ausgeschildert. Am Startpunkt "Löwen, Breitnau" ist neben anderen Zielen die Weißtannenhöhe schon vermerkt und die Entfernung mit 2,5 km angegeben. Was hingegen auf den Wegweisern nicht stimmt, ist der Hinweis durch ein Symbol, dass von der Weißtannenhöhe eine Rundumaussicht vorhanden wäre. Laut Karte ist der Gipfel bewaldet, was einer schönen Aussicht eher im Wege steht. Die Aussicht ist nur an einigen Stellen des Fahrwegs gegeben, der um den Gipfel führt. Und dann auch nur auf schmale Segmente.
 
Schutzhütte Weißtannenhöhe Der Weg hinauf führt anfangs eine schmale Straße entlang, bis er nach 1 km in den Wald abbiegt. Der kürzeste Weg führt über den Punkt "Im alten Holzhofwald" in 1115 m Höhe. Etwa 350 m der dort noch fehlenden 400 m Wegstrecke führen recht steil aber gut begehbar 75 m den Hang hinauf. Oben trifft man auf die Schutzhütte Weißtannenhöhe.
 
Gipfelmarkierung der Weißtannenhöhe Der Gipfel der Weißtannenhöhe (SOTA DM/BW-014) in 1190 m Höhe lässt sich von dort über einen als Wanderweg ausgezeichneten Waldweg erreichen. Doch man sollte keine zu großen Erwartungen haben. Der Gipfel ist lediglich durch ein kleines Schild an einem unscheinbaren Holzpfahl auf einer nicht ganz so dicht bewaldeten Stelle markiert. Dort sind gegenüber den 1190 m in der SOTA-Datenbank 1192 m angegeben. Auf der Wanderkarte sind aber auch nur 1190 m verzeichnet. Da ich kein GPS-Gerät dabei hatte, konnte ich den korrekten Wert nicht ermitteln.
 
Stationsausrüstung Da es mittlerweile etwas, dafür aber durchgängig nieselte, begab ich mich zurück zur Schutzhütte. Sie liegt etwa 5 m unterhalb des Gipfels. Die Hütte bietet ideale Voraussetzungen für den Aufbau einer Funkstation: viele Abstellflächen und Bänke. Den Mast befestigte ich diesmal an einem kleinen Baum vor der Hütte. Die Antenne wurde wiederum als Inverted Vee errichtet und über kurzen Abspannschnüren an Kunststoffheringen abgespannt. An diesem Standort wären auch die umstehenden Bäume als Abspannpunkte für einen Dipol geeignet gewesen.
 
Da Montag war und somit keine Conteste liefen, versuchte ich es auf 40 m. Nach einigen CQ-Rufen, bei denen ich den Zusatz SOTA einstreute, fragte eine Station an, auf welchem Berg ich aktiv bin. Danach folgten QSO auf QSO und teilweise hatte ich Schwierigkeiten, die gleichzeitig anrufenden Stationen zu trennen. Schnell kamen innerhalb einer Dreiviertel Stunde 25 QSOs mit Stationen aus ganz Europa ins Logbuch. Das hätte bestimmt noch einige Zeit so weiter gehen können. Doch so langsam wurden die Finger klamm. In einer Pile-up-Pause und Regenlücke baute ich die Station ab und begann den Abstieg. Dafür wählte ich, wie so viele der in der Zwischenzeit vorbeigeeilten Wanderer, den Europäischen Fernwanderweg E1. Er führt anfangs durch den Wald. Je näher man Titisee kommt, desto mehr Straßen werden eingebunden.
 
Am Bahnhof Titisee (858 m) angekommen, entschloss ich mich, den Hochfirst (SOTA DM/BW-015) in 1190 m Höhe nicht mehr anzulaufen. Zwar lässt sich mit der Buslinie 7257, die von Titisee über Lenzkirch, Schluchsee nach Seebrugg fährt, mit 142 m ein gutes Stück der zu bewältigen Höhenmeter einsparen, doch die im morgendlichen Wetterbericht angedrohten Regenwolken verdichteten sich immer weiter. Von der Haltestelle "Ochsen, Saig" auf etwa 1000 m Höhe ließe sich der Hochfirst über einen nur 1,5 km langen Weg erreichen. Oben soll ein Gasthaus locken. Alternativ nutzbar wäre von der Haltestelle "Rotkreuz, Saig" auf ebenfalls 1000 m Höhe ein nahezu ebener, 2,8 km langer Kammweg bis zum Punkt "Waldhaus". Das letzte, 1 km lange Teilstück beider Wege wäre ab "Waldhaus" identisch. Der Abstieg könnte wahlweise bis zur Bushaltestelle am "Ochsen" oder zur Bahnstation in Titisee (858 m) erfolgen. Da ich diesen Gipfel nicht erreicht habe, bleibt er ganz oben auf der Wunschliste für den nächsten Aufenthalt im Schwarzwald.
 
Erfahrungen
 
Das Vorhaben, zwei Gipfel an einem Tag zu erreichen, war keine gute Idee. Minimal je eine halbe Stunde für An- und Abfahrt, je eine Stunde für den Aufstieg und Abstieg zu jedem der beiden Gipfel, insgesamt eine halbe Stunde für den Stationsauf- und -abbau pro Gipfel und nicht zu vergessen je eine Stunde Funkbetrieb sind insgesamt acht Stunden. Bei zwei Gipfeln bleibt somit kaum Zeit, eine Aussicht länger zu genießen. Wenn dann noch die Ausbreitungsbedingungen schlechter sind oder im Gegenzug das Pile-up nicht enden will, kommt man schnell gegenüber dem selbst gestecktem Zeitplan in Verzug. Zwei Gipfel an einem Tag werde ich so schnell nicht mehr versuchen zu erreichen.
 
Abends wieder im Hotel angekommen habe ich die jeweils am Tag erreichten QSOs auf der SOTA-Webseite eingetragen. Obwohl das Versenden von QSL-Karten für das SOTA-Programm nicht erforderlich ist, werde ich Karten über das QSL-Büro schicken.
Nachtrag vom 12. Oktober 2017: Die QSL-Karten habe ich heute an das Büro geschickt.
 
Ich danke auf diesem Weg allen, die meine leisen Signale aufnehmen konnten. Besonders gefreut haben mich die Verbindungen von Gipfel zu Gipfel.

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