30. September 2017
 
DL-QRP-AG Zum nunmehr 11. Mal hatte die Arbeitsgemeinschaft für QRP und Selbstbau (DL-QRP-AG) am 30. September 2017 in den Südschwarzwald, genauer nach und an den Schluchsee, eingeladen. Peter Johe, DL7JP, der Apotheker der See-Apotheke vor Ort, konnte wiederum die Grundschule nahe des Zentrums von Schluchsee als Tagungsort organisieren. Dort hatten sich bis zum offiziellen Beginn des Treffens etwa 50 Teilnehmer eingefunden.
 
DK7IH während seines Vortrags Micro20 III Den Auftakt der Vortragsreihe machte Peter Rachow, DK7IH, der vielen bestimmt durch "Das QRP-Baubuch" bekannt ist. Er zeigte den Aufbau des als Micro20 III bezeichneten SSB-Transceivers für das 20-m-Band. Der 6 × 4 × 10 cm große TRX ist nahezu durchgängig mit SMD-Bauteilen auf einer durchkontaktierten Universalplatine 5 × 7 cm realisiert. SMD-Widerständen der Baugröße 0805 lassen sich zwischen zwei Lötaugen im 2,54-mm-Raster einlöten. Selbst Transistoren im SOT-Gehäuse passen gedreht auf dieses Raster. Als Signalgenerator für den Balance-Modulator und den Produktdetektor dient ein Si5351A.
Micro20 III 20-m-Schleifenantennen am Auto Für Mischer und NF-Verstärker kommen zwei NE612 bzw. ein LM386 sowie Doppel-Gate-FETs und Bipolartransistoren zum Einsatz. Bei 12,5 V liefert die mit 2SC2078 aufgebaute Gegentaktendstufe 3 W. Die Steuerung des Transceivers übernimmt ein ATmega168. Die Bedienung erfolgt über Drehencoder und Kurzhubtaster. Als Anzeige dient ein OLED-Display. Die vollständige Schaltung und der C-Quelltext sind auf seiner Webseite verfügbar.
Am späten Nachmittag konnte man den Transceiver an einer 20-m-Schleifenantennen testen, dessen Mast Peter an der Anhängerkupplung seines Autos befestigt hatte.
 
DK2JK während seines Vortrags QCX Heribert Schulte, DK2JK, stellte danach den QCX-Transceiver vor. Das ist ist ein kleiner CW-Monobander von QRP Labs. Bausätze für 80 bis 17 m stehen zur Verfügung. Im Empfänger kommt die schon seit den 60ern als "zweite Methode" bekannte Phasenmethode in einem Direktüberlagerer zum Einsatz. Zwei Mischer arbeiten mit um 90° phasenverschobenen Oszillatorsignalen. Hinter dem Quadratur-Sampling-Detektor (Tayloe Detector) wird das Basisband hier auf einige Kilohertz begrenzt. Zentrales Element der Frequenzerzeugung ist der Oszillator Si5351. Zwei seiner Signale mit 90° Phasenverschiebung dienen als RX-VFO. Zwei 45°-Allpässe bilden das Phasenschieber. Es folgt ein aus drei Tiefpass- und einer Hochpassstufe bestehendes 200-Hz-Filter.
Ein ATmega328 steuert den Transceiver. Der Abgleich erfolgt unter Berücksichtigung der Balkenanzeige im Display auf Maximum bzw. Minimum. Auf diese Weise sind keine zusätzlichen Geräte erforderlich. Der Sender ist sehr einfach aufgebaut. Dem dritten Signalausgang des Si5351 folgt ein Klasse-E-Verstärker mit drei BS170 und ein Tiefpassfilter.
Die Platine des Bausatzes ist 10 × 8 cm groß. Die zwei SMD-ICs sind bereits bestückt. Alle anderen Bauelemente sind bedrahtet ausgeführt und selbst einzulöten. Die 140-seitigen, bebildert Bauanleitung hat in der Zwischenzeit Peter Dreßler, DL6DSA, ins Deutsche übersetzt. Sie ist auf der oben genannten Webseite verfügbar. Für 5 W sind 16 V Versorgungsspannung erforderlich. Für den Portabelbetrieb des QCX ist daher eine Versorgung aus vier LiPo-Zellen in Serie mit 15,2 V Nennspannung erforderlich.
Heribert hat die 40-m-Version aufgebaut und bei SOTA-Aktivierungen getestet. Da der Transceiver keine AGC hat, muss der Lautstärkeknopf des Öfteren betätigt werden. Er sagte, dass der RX mit seinem 200-Hz-NF-Filter ausgezeichnet klingt. Das unerwünschte Seitenband ist nicht wahrzunehmen. Für den rauen Portabelbetrieb fehlt nur noch ein Gehäuse.
 
Die danach von Klaus Kühn, DF4UB, kurz vorgestellte, für 1 kW ausgelegte Endstufe B26RF01 war nicht mehr ganz QRP-Level, doch 100 % Selbstbau. Die für 160 bis 6 m entworfene Endstufe mit BLF188 ist das Produkt des Ortsverbands Forchheim B26 im DARC e.V. Besonders die auf dem großen Farb-Touchdisplay dargestellten Anzeigen lassen sich den Wünschen des Nachbauers anpassen. Wer an bestückten Baugruppen interessiert ist, sollte sich auf www.rf-kit.de informieren.
 
DK1HE während seines Vortrags Mikro-Solf Peter Solf, DK1HE, hatte für den am Vormittag dann folgenden Vortrag das nun voll funktionsfähige Muster des vor fast genau einem Jahr an gleicher Stelle erstmals vorgestellten 8-Band-Transceivers mitgebracht. Mittlerweile ist auch der Name klar: Mikro-Solf ist im Hinblick auf das kompakte Gerät und die fast ausschließliche Verwendung von SMD-Bauelementen wirklich passend. Auf der untersten der drei 10 × 10 cm großen Leiterplatten ist der HF-Teil untergebracht, also Preselektoren, Tiefpassfilter und Endstufe. Die mittlere Platine enthält TX- und RX-Mischer, Balance-Modulator, NF-Demodulator und das nur für den Empfang genutzte 8-MHz-Quarzfilter mit 2,4 kHz Bandbreite. Außerdem sind dort Keyer, TX/RX-Umschaltung, NF- und Mikrofonverstärker sowie Kompressor zu finden. Die unter der Gehäuseoberschale, die gleichzeitig als Frontplatte dient, liegende dritte Leiterplatte ist der Mikroprozesorsteuerung vorbehalten, wobei ein Grafik-Display zum Einsatz kommt.
Am 1. November 2017 gab Peter Zenker, DL2FI, im QRP-Forum kund, dass erste Bausätze samt den insgesamt etwa 800 größtenteils SMD-Bauelementen bereits Anfang Dezember vom QRPproject ausgeliefert werden. Die Baumappe ist vollständig und man wartet nur noch auf die Lieferungen weniger Bauteilhändler.
 
HB9PJT während seines Vortrags HB9PJT während seines Vortrags Es folgten vor und nach der Mittagspause zwei Vorträgen zum Thema Antennen. Peter Sidler, HB9PJT, berichtete über Bauformen, Berechnungen und seine Erfahrungen mit vorwiegend vertikal errichteten Portabelantennen. Seine Aussagen unterlegte er mit Messreihen, die er beim Empfang von Stationen gemacht hatte. Das S-Meter sollte für solche Vergleichsmessungen möglichst genau oder zumindest die Eigenarten seiner Kennlinie bekannt sein. Er legte außerdem jedem Antennenbauer nahe, die ins Auge gefasste Drahtantenne einfach einmal aufzubauen, das SWV zu messen und auch zur Ermittlung des Strahlungsdiagramm einmal zu simulieren. Fasst man dann seine Ergebnisse tabellarisch zusammen, ist schnell erkennbar, welche Antenne für welche Bänder geeignet ist und ob sich damit Europa- oder DX-Verbindungen erreichen lassen.
 
DG4SFS während seines Vortrags vor der Schule DG4SFS während seines Vortrags vor der Schule Anschließend stellte Uli Lebegern, DG4SFS, die praktische Anwendung von meist horizontal abgespannten Antennen vor. Hauptsächlich bezog er sich dabei auf die auch als Hille-Dipol bezeichnete Antenne, die auch über seine Webseite erhältlich ist. Sie lässt sich mit ihren zweimal 6,5 m Spannweite in vielen Fällen recht gut an die beim Portabelbetrieb meist vorher nicht bekannten Örtlichkeiten anpassen. Diskussionen entbrannten während der Begutachtung der von DG4SFS vor der Schule aufgebauten Antennen darüber, ob ein Koaxialkabel besser zur Speisung geeignet wäre, als die aus zwei verdrillten Adern gebildete symmetrische Leitung des Hille-Dipols. HB9PJT hatte in seinem Vortrag auf die mit TLW3 ermittelbaren Kabel- und Kopplerverluste hingewiesen. HB9PJT und DG4SFS waren sich jedoch einig, dass stets einen Balun am transceiverseitigen Ende der Speiseleitung eingesetzt werden soll.
 
DL7TUX während seines Vortrags Erich Wälde, der das Rufzeichen DL7TUX hat, jedoch bisher nicht damit "in der Luft" war, machte in dem dann folgenden Vortrag Mut, einen Mikrocontroller selbst zu programmieren. Um wie in seinem Beispiel zu einer UTC-Uhr mit einer Funkanbindung zum Zeitzeichensender DCF77 zu kommen, nutzt er die Programmiersprache Forth, die seiner Ansicht nach nicht schwieriger zu erlernen ist, als andere Sprachen. Das gesamte Forth-System erfordert wenig Speicherplatz und lässt sich selbst im 8 KB großen Speichers eines kleinen Controllers unterbringen. Außerdem bietet Forth die Möglichkeit, mit der Anwendung zu kommunizieren und den Funktionsumfang während der Laufzeit zu erweitern. Wie dies funktioniert, zeigte er anhand einfacher, aber für das Projekt völlig ausreichender Programmblöcke. Die englischsprachige Dokumentation des von ihm genutzte Forth für Mikrocontroller namens Amforth ist hier verfügbar.
 
DK1HE während seines Vortrags Den Abschluss der Vortragsreihe machte in diesem Jahr Peter Solf, DK1HE, mit seinem Baubericht über ein für 2 m oder 70 cm geeignetes FM-Handfunkgerät. Er verpasste ihm im Hinblick auf die meist preiswert aus Fernost kommenden Exemplare mit ähnlichem Konzept den Namen Solofeng. Mit den zum DRA818U und DRA818V kompatiblen, jedoch mit 5,5 V Betriebsspannung betriebenen Modulen SA818U und SA818V lassen sich 5 W Sendeleistung erzeugen. Das Frequenzraster ist von 12,5 kHz auf 25 kHz umschaltbar, CTCSS-Töne sind nutzbar und eine Empfindlichkeit von −124 dBm vorhanden. Die von DL4JZ entworfene Steuerung basiert auf einem Arduino nano.
teilweise bestückte Platine des Solofeng teilweise bestückte Platine des Solofeng Die Bedienung ist über Drehencoder und Taster möglich, als Anzeige dient ein OLED-Display. Es sollen sich bestehende Relaislisten über ein kleines Windows-Programm in das Handfunkgerät laden lassen.
Am 22. Oktober 2018 zeigte DK1HE im QRP-Forum das erste, in einem Aluminiumgruckgussgehäuse integrierte, funktionsfähige Exemplar. Eine Hälfte nehmen Leiterplatte und Display ein, die andere Hälfte die Akkumulatoren. Zum Treffen war seine Platine noch nicht vollständig bestückt.
 
Zum Ende des QRP-Treffens wurde für die Grundschule gesammelt, deren komplettes Gebäude wir nutzen durften. Peter, DL1PJ, berichtete am Montag nach dem Treffen im QRP-Forum, dass der beachtliche Betrag von 265 € zusammengekommen war und sich die Schulleitung darüber sehr gefreut und bedankt hat.
 
Grundschule Schluchsee © OpenStreetMap Mitwirkende, CC BY-SA Das nächste Treffen in Schluchsee findet am 29. September 2018 statt, also am Sonnabend vor dem 3. Oktober, einem Feiertag in Deutschland. Eventuell kann man das Treffen mit einem mehr oder weniger längeren Urlaub im Schwarzwald verbinden und den Frühherbst beim QRP-Betrieb genießen. Genügend Berge für SOTA-Aktivierungen gibt es jedenfalls. Übernachtungen lassen sich in der näheren Umgebung in Pensionen, Hotels, auf dem Campingplatz oder in der Jugendherberge finden. Mehr Informationen dazu bietet die Webseite von Hochschwarzwald Tourismus.

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