1. Oktober 2016
 
Grundschule Schluchsee © OpenStreetMap Mitwirkende, CC BY-SA DL-QRP-AG Die Arbeitsgemeinschaft für QRP- und Selbstbau DL-QRP-AG lud am 1. Oktober 2016 zum in der Zwischenzeit 10. Mal nach und an den Schluchsee in den Süden des Schwarzwalds ein. Peter Johe, DL1PJ, der ortsansässige Apotheker, organisierte wiederum die Grundschule Schluchsee als Ort des Geschehens. Wir dürften die Schule kostenlos nutzen. Spenden für Unterrichtsmaterialien waren jedoch willkommen.
 
Diejenigen, die es bis zum offiziellen Beginn des Treffens nicht aushalten konnten, hatten sich schon am Abend vorher im Restaurant Seestübl beim Campingplatz Schluchsee getroffen. Am Samstag um 9.30 Uhr, dem offiziellen Beginn des Treffens, waren etwa 60 Teilnehmer im großen Klassenzimmer eingetroffen. Die mitgereisten XYLs befanden sich indes schon unter Führung von Karl Link, DJ2HL, auf einer Besichtigungstour nach St. Blasien und den dortigen Dom.
 
DF5SF und seine Vertikal Den Auftakt der Vortragsreihe machte Uli Henzler, DF5SF. Er zeigte anschaulich, wie sich das Reverse Beacon Network (RBN) für den Vergleich von Antennen nutzen lässt. So wies er anhand von Beispielen nach, dass der von ihm anfangs genutzte Vertikaldipol für 80, 40 und 10 m teils signifikante Unterschiede beim Erreichen von DX-Stationen. Uli riet auch, während so eines Tests die Frequenz geringfügig zu verändern, wenn beim RBN nach einigen CQ-Rufen keine neuen RBN-Meldungen mehr zu verzeichnen sind. Der Grund dafür ist, dass das RBN nur Meldungen neuer Station ausgibt − nach 10 Minuten werden weitere Meldungen unterdrückt. Wie sich Signale mit einem bestimmten Signal-Rausch-Abstand (SNR) anhören, lässt sich anhand der vom Programm ebook2cw von Fabian Kurz, DJ1YFK, ausgegebenen CW-Texte mit zusätzlichem Rauschen beurteilen. Für die Filterung der von RBN ausgebebenen Daten lassen sich beispielsweise alle DL-Stationen als CW-Skimmer oder das eigene Rufzeichen als "DX-Station" auswählen.
 
DK2JK und die DDS-Ansteuerung Heribert Schulte, DK2JK, verdeutlichte danach, wie sich unterschiedliche Digitaloszillatoren ansteuern lassen. Zumindest für die Schaltkreise von Analog Devices gibt es mit "ADIsim" auch einen Simulator. Mit ihm lässt sich schon im Vorfeld feststellen, wie das Ausgangssignal eines der DDS-Schaltkreises beim möglichen Quarztakt aussehen wird und ob es überhaupt für die gewünschte Anwendung einsetzbar ist. Heribert konnte hinsichtlich der Programmierung mit dem Si5351 von Silicon Labs bessere Erfahrungen als mit den ICs von Analog Devices sammeln.
 
DK5IQ mit Doppel-Quad nach DL7KM Michael Böttcher, DK5IQ, rief uns danach seine bereits in [1] vorgestellte Doppel-Quad nach DL7KM ins Gedächtnis. Er zeigte live, wie sich der Aufbau selbst von einer Person in kurzer Zeit bewerkstelligen lässt, wenn man die Antenne zuhause entsprechend vorbereitet hat. Die während des Vortrags errichtete Antenne spendierte er für die Tombola am späten Nachmittag.
 
Karsten Thölmann, DD1KT, berichtete anschließend, wie sich mit etwas Überlegung und in vielen Fällen mit einem Interface die gesamte Steuerung des Transceivers über nur ein einziges USB-Kabel bewerkstelligen lässt. Ein interessanter Ansatz, auch wenn sich der Aufbau "mit einem Kabel mehr" einfacher bewerkstelligen lässt.
 
DK1HE und Schaltung der Platine 1 Nach der Mittagspause stellte Peter Solf, DK1HE, den für die acht Bänder von 80 bis 10 m (ohne 60 m) vorgesehenen Transceiver vor. Während Peter die analogen Baugruppen entwirft, hat Jürgen Trenck, DJ4JZ, wieder den Digitalteil übernommen − ein eingespieltes Team wie beim Summit Master SM-15. Der nahezu vollständig mit SMD-Bauelementen zu bestückende Transceiver für CW, SSB und Digimodes soll in einem Gehäuse untergebracht werden, das drei Platinen mit 10 × 10 cm Platz bietet. Einige der für die Bedienung erforderlichen Elemente sollen auf der Oberseite platziert werden. Das wurde auch schon beim SM-15 so gemacht. Es erleichtert die Bedienung"im Feld" ungemein, da dort nur selten ein Tisch vorhanden ist, auf dem man den Transceiver stellen und zur besseren Bedienung ankippen kann.
Die erste Platine wird die Preselektoren, die Tiefpassfilter und die Endstufe samt Treiber enthalten. Die Spulen in den Preselektoren und Tiefpassfiltern sind ohne die sonst üblichen Ferritkerne aufgebaut, sodass ein Großteil der Wickelei entfällt. Zum Einsatz kommen statt dessen Spulen auf Keramikkörpern, die ähnlich wie Luftspulen keine Sättigung aufweisen. Lediglich vier Doppellochringkerne sind noch selbst zu wickeln. Diese Platine soll als Erstes fertig gestellt werden, da sie sich auch für andere Projekte nutzen lässt.
DF1HE und die Platine 1 Auf der zweiten Platine sind Sende- und Empfangsmischer, Balance-Modulator, NF-Demodulator und das für für den Empfang genutzte 8-MHz-Quarzfilter untergebracht. Für Mischer und Modulator kommen die bewährten NE612 zum Einsatz. Die Regelung folgt der Hüllkurve des ZF-Signals, sodass sich selbst zwischen den eigenen Zeichen hören lässt. Auf der zweiten Platine sind außerdem ein PK4-Keyer, die TX/RX-Umschaltung, der NF-Verstärker mit einem LM386, ein Mikrofonvorverstärker und ein mit dem SM2167 aufgebauter Kompressor vorhanden. Wer den Transceiver nur für CW nutzen möchte, kann den Mikrofonvorverstärker und den Kompressor selbstverständlich unbestückt lassen.
Die dritte Platine wird die gesamte Steuerung enthalten, wobei eine Grafik-LED-Anzeige zum Einsatz kommen wird. Im Empfangsfall werden nur 120 mA aufgenommen. Beim Treffen schien es noch Unstimmigkeiten hinsichtlich des Namens des neuen Transceivers zu geben. Während DK1HE quasi als Weiterentwicklung des SM-15 den Namen "Summit Master 2017" im Sinn hat, plädiert DL2FI im Hinblick auf die geringen Abmessungen und die SMD-Bauelemente für "Mikro-Solf". Mal sehen, wie das Rennen um den Namen ausgeht. Kleiner Wermutstropfen: Erste Bausätze werden frühestens in einem Jahr erhältlich sein, da bis dahin noch die restliche Entwicklung und der Entwurf einer Baumappe zu bewerkstelligen sind.
 
Zwirbel-Hille von DG4SFS Den Abschluss der Vortragsreihe machte Peter Zenker, DL2FI, der den Tag über auch als Zeremonienmeister durch das Vortragsprogramm führte, mit dem schon bei QRP an der See vorgestellten Zwirbel-Hille. Es ist die von Karl Hille, DL1VU, publizierte Dipolantenne mit 13 m Spannweite. Das Original wurde bereits 1999 in [2] vorgestellt. Die hier 8 m lange verdrillte Speiseleitung und die 6,5 m langen Dipoläste bestehen hier jedoch aus einem Stück. Verbindungsstellen wie im Original sind nicht vorhanden. Wie gut sich diese für 40 bis 10 m vorgesehene Antenne an einem KX3 mit eingebauten Antennentuner anpassen lässt, konnte jeder an der vor dem Schulgebäude errichteten Version testen. Wer hinsichtlich der verdrillten Speiseleitung mit geringen Abstand der Adern Bedenken hat, sollte sich einmal ein CAT-Kabel ansehen. Dort werden ebenfalls verdrillte Zweidrahtleitungen eingesetzt − und zwar dämpfungsarm mit 100 Ω Impedanz für 2 bis 3 GHz. Fertig konfektionierte, 120 g leichte Antennen aus gelbem Draht (wegen der besseren Sichtbarkeit) und Anschlusssteckern stellt übrigens Uli Lebegern, DG4SFS, her.
 
Für die abschließende Tombola hatten einige Funkamateure Gegenstände, die sich selbst nicht mehr brauchten, aus mitgebracht und kostenlos zur Verfügung gestellt. So wechselten Drehkondensatoren, Gehäuse, Bücher und zum Ausschlachten geeignete Baugruppen die Besitzer. Den Erlös der Tombola und den Inhalt der bereitsgestellten Spendendose erhielt die Grundschule als Dankeschön für die kostenlose Nutzung ihrer Räumlichkeiten.
 
Wer wollte, konnte nach dem Treffen an der in der Grundschule abgehaltenen Mitgliederversammlung des Ortsverbands Selbstbau A55 im DARC e.V. teilnehmen. Zum Ausklang trafen sich die "ganz Harten" am Samstagabend nochmals im bereits genannten Seestübl.
 
Das nächste Treffen im Schwarzwald wird wieder am Samstag vor dem 3. Oktober stattfinden, 2017 also am 30. September. Da der dahinter liegende 3. Oktober in Deutschland Feiertag ist, bietet sich eine Fahrt zum Treffen geradezu an. Übernachtungen lassen sich in der näheren Umgebung in Pensionen, Hotels, auf dem Campingplatz oder in der Jugendherberge finden. Mehr Informationen dazu bietet die Webseite von Hochschwarzwald Tourismus. Die Gegend des Schwarzwaldes hat besonders in der frühherbstlichen Zeit viele schöne Seiten zu bieten, sodass sich auch ein etwas längerer Aufenthalt dort lohnte und wieder lohnen wird.
 
[1] Michael Böttcher, DK5IQ: Portabelausführung der Hybrid-Doppelquad nach DL7KM. Funkamateur 10/2016, S. 953-954
[2] Karl. H. Hille: Der 13-m-Dipol. Funk 8/1999, S. 44 ff.

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