Wandern im Fürstentum Liechtenstein

14. - 29. Juli 2012
 
Lage von Liechtenstein Flagge von Liechtenstein Sommerzeit ist in den meisten Fällen auch Urlaubszeit. Und schon wieder zog es mich in die Berge. Nach dem relativ niedrigen Oberharz im vergan­genen Winter waren diesmal höhere Berge im Sommer mein Ziel: die Al­pen und dort speziell das Fürstentum Liechtenstein.
 
Das Fürstentum Liechtenstein ist ein nur 160 km² großes Land, das zwischen der Schweiz und Österreich am östlichen Ufer des Rheins liegt. Somit ist es flächenmäßig eines der kleinsten Staat Europas. Die größte Länge beträgt knapp 25 km, die größte Breite etwas mehr als 12 km. In Liechten­stein leben rund 34000 Einwohner.
Geografisch gliedert es sich in das Oberland (Vaduz, Balzers, Triesen, Triesenberg, Schaan, Planken) sowie das Unterland (Eschen-Nedleln, Mauren-Schaanwald, Gamprin-Bendern, Schellenberg, Ruggell). Den tiefsten Punkt bildet am Rhein das Ruggeller Riet mit 430 m und den höchsten Punkt der Gipfel des Grauspitz mit 2599 m. Rund zwei Drittel der Lan­desfläche nehmen Hang- und Berggebiete ein. Doch trotz Gebirgslage ist es relativ mild. Im Winter sollen selten Temperaturen unter -15 °C auftreten. Während meines Aufenthalts im Hochsommer waren 18 bis 30 °C (je nach Höhenlage) zu messen.
 
Anreise, Unterkunft und Fortbewegung
 
Hotel Oberland nahe der Kirche in Triesenberg Blick seitlich vom Balkon des Hotelzimmers in Richtung Liechtensteiner Berge (teils in den Wolken) und zum Rhein Mit dem Hotel Oberland war auf etwa 920 m Höhe in Triesenberg auch schnell eine passende Unter­kunft (nebst Restaurant) als Basis­lager gefunden. Es ist verkehrsgün­stig an der Straße nach Malbun gele­gen und bietet von jedem Zimmer eine herrliche Aussicht auf einen Teil der Liechtensteiner Bergwelt, das Rheintal und einige der gegenüber liegenden Schweizer Berge. Über Liechtenstein Tou­rismus lassen sich jedoch auch Ferienwohnungen, Pensionen oder gar Berghütten aus­findig machen.
 
Einen großen Teil der rund 660 km Luftlinie von meinem Wohnort zum Hotel legte ich im Schlafwagen des City Night Line zurück. Ausgeschlafen und mit einem kleinen Frühstück versorgt ging es danach nur noch zuerst von Zürich mit einem bequemen Intercity bis Sargans und von dort aus mit einem Bus von LIEmobil via Vaduz bis Triesenberg.
 
Streckenkarte der Busse von LIEmobil © LBA Auch im Land selbst war ich diesmal mit den grünen Bussen von LIE­mobil und meinen Füßen unterwegs. Zumindest innerhalb von Liech­tenstein ist ein Auto ohnehin entbehrlich, da sich die Startpunkte aller Wanderungen und andere Sehenswürdigkeiten bequem über das dich­te Busnetz erreichen lassen. Außerdem bringt die Benutzung der Bus­se den Vorteil, dass man am Ende des Tages nicht wieder zum Auto am Startpunkt zurückkehren muss.
Kleiner Tipp: Eine Monatskarte für 54 CHF rentiert sich bei zwei täg­lichen Fahrten sehr schnell, auch wenn Sie nur 2 Wochen dort sind. Sie können die Monatskarte, wie je­de an­de­re Fahr­kar­te auch, in je­dem Bus von LIEmobil kau­fen. Dort gibt es auch ein kleines Heftchen mit allen Linien des Streckennetzes und den jeweiligen Fahrzeiten.
 
Unterwegs in den Bergen
 
Liechtenstein-Tourenguide (mit Gebrauchsspuren) Wer in den Bergen unterwegs sein will, der sollte sein eigenes Können (Kondition, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit), die Qualität seiner Aus­rüstung (von den Schuhen bis zur Kopfbedeckung) und den Schwierig­keitsgrad der Wege kennen sowie die Witterungsbedingungen genau bewerten können. Wer hier Fehler macht, sich selbst überschätzt oder Situationen nicht richtig einschätzt, landet unweigerlich einige hundert Meter tiefer oder bleibt auf dem Weg liegen. Ich gebe hier wörtlich die Beschreibung aus dem Liechtenstein-Tourenguide wieder, da sie mei­ner Meinung nach sehr gute Anhaltspunkte liefert, was einem bei den einzelnen Wanderungen hinsichtlich des Schwierigkeitsgrads erwartet.
 
Wanderwege weisen keine besonderen Anforderungen auf, verlaufen möglichst nicht auf Asphalt- oder Betonbelägen und abseits öffentlich befahrbarer Straßen. Steile Passagen werden durch Stufenanlagen überwunden, exponierte (absturzgefährliche) Stellen sind ge­ländergesichert. Fließgewässer werden auf Stegen oder Brücken passiert.
Bergwanderwege sind Wanderwege, die passagenweise durch unwegsames Gelände füh­ren. Sie sind überwiegend steil und schmal angelegt und punktuell oder teilweise expo­niert. Besonders schwierige Passagen sind wie bei Klettersteigen durch Seile, Ketten, Tritt­stifte, Haltebügel usw. gesichert. Fließgewässer sind unter Umständen auf Trittsteinen zu queren bzw. zu durchwaten.
Alpinwanderwege sind anspruchsvolle Bergwanderwege. Sie führen teilweise durch wegloses Gelände, oder durch Fels mit kurzen Kletterstellen. Wer Alpinwanderwege begeht, muss trittsicher, schwindelfrei und in sehr guter körperlicher Verfassung sein sowie Umgang mit Seil und Pickel beherrschen.
 
Der Tourenguide mit 20 beschriebenen Wanderungen ist gedruckt unter anderem auch bei Liechtenstein Tourismus erhältlich.
 
Wegweiser Die überall in Liechtenstein positionierten Wegweiser geben Auf­schluss darüber, welcher Schwierigkeitsgrad bis zum angege­benen Ziel zu erwarten ist. Bergwanderwege sind mit einer weiß-rot-weißen Spitze gekennzeichnet, die die Wanderwege nicht haben. Sollte ein blau markierter Wegweiser auftauchen, handelt es sich um einen Alpinwanderweg. In der Regel ist nicht die gesamte Strecke der Kategorie Wanderweg oder Bergwan­derweg zuzuordnen. Die Einordnung richtet sich nach dem schwersten Wegstück. Ein Bergwanderweg kann somit große Strecken als Wanderweg gelten, jedoch nicht die gesamte.
 
Bergwanderweg auf dem Grat zum Spitz und weiter zum Augstenberg Auf den Wegweisern an Knoten- oder Endpunkten sind stets der Name des Ortes und die Wanderdauer bis zum Ziel angegeben. Bei allen Bergwanderwegen informieren zwischen den Wegwei­sern weiß-rot-weiß gestrichene Holzpfähle oder entsprechende Markierungen an Bäumen bzw. Steinen darüber, ob man sich noch auf dem richtigen Pfad bewegt. Auf normalen Wanderwe­gen sind es gelbe Pfeile oder Rhomben.
Bei den Bergwanderwegen ist entsprechend der SAC-Wander­skala noch eine Zwischenstufe angebracht. Sieht man sich die Wegbeschreibungen für den Fürstensteig (Schwierigkeitsgrad T3, anspruchsvolle Bergtour) und den Weg zum Augstenberg (Schwierigkeitsgrad T2, einfache Bergtour) an, die beide im oben genannten Tourenguide als Bergwanderwege geführt werden, ist ein gewaltiger Unterschied festzustellen. In dem schon genannten Tourenguide sind an den schwierigen Stellen teils Alternativrouten genannt.
 
Wanderkarte Fürstentum Liechtenstein Kompass-Karte Feldkirch, Vaduz Die "Wanderkarte Fürstentum Liechtenstein", die bei Liechtenstein Tourismus für 22,50 CHF erhäl­tlich ist, macht keine Unterschiede bei den Berg­wanderwegen. Bei einem Maßstab von 1:25000 wird jedoch das gesamte Gebiet von Liechten­stein detailliert dargestellt.
Auch die Karte "Feldkirch, Vaduz" von Kompass, die für 6,95 € im Buchhandel verfügbar ist, un­terscheidet nur nach Wanderwegen und Berg­wanderwegen. Mit einem Maßstab von 1:50000 und einem größeren dargestellten Gebiet ist sie aber nicht so gut für Wanderungen geeignet. GEO-Daten von Liechtenstein und GPS-unterstützte Vorschläge für Wanderungen stehen bei der Landesverwaltung und bei Liechtenstein Tourismus zur Verfügung.
 
Gute Quellen zur Beurteilung des Schwierigkeitsgrads der Wege sind auch Beschreibungen und Fotos, die sich nach Eingabe des anvisierten Gipfels in die Suchmaschine Ihrer Wahl im Internet finden lassen. Besonders die gefundenen Fotos haben mich schon im Vorfeld der Reise bewogen, den einen oder anderen Weg doch nicht zu begehen, obwohl er mich lockte. Sollten Sie erst während der Wanderung bemerken, dass der Weg doch nicht Ihrem Können entspricht, so kehren Sie einfach um. Das macht Sie nicht schwächer, sondern schlauer, denn nun können Sie die Wege besser einschätzen.
 
Impressionen
 
Vaduz mit dem dreieckigen Landtagsgebäude hinten links und dem Regierungsgebäude vorne rechts Schloss Vaduz Vaduz ist der Hauptort des Landes. Mit etwa 5000 Einwohnern ist Vaduz außerdem Sitz der Landesfürsten und der Landesbehörden. Auf einem Weg von Ortszentrum zu dem über dem Ort thronenden Schloss lassen sich auf Tafeln die wichtigsten Infor­mationen über die Geschichte, Wirt­schaft und Politik des Landes erfah­ren. Am Ende bietet sich ein schöner Blick auf das Schloss Vaduz. Das Schloss ist jedoch nicht zu besichtigen, da es immer noch der Wohnsitz der fürstliche Familie ist. Verständ­lich! Ihnen würde es bestimmt auch nicht gefallen, wenn eine Touristengruppe durchs Zimmer stampft, während Sie gerade Mittag essen - oder?
 
Blick ins Rheintal Richtung Südwest Blick ins Rheintal Richtung Nordwest zum Säntis Ist man auf der Gebirgsseite ober­halb von Balzers, Triesenberg oder Vaduz unterwegs, die zum Rheintal hin liegt, bieten sich immer wieder wunderbare Aussichten auf einen Teil der Liechtensteiner Bergwelt und der Schweizer Berge auf der anderen Rheinseite. Eine Wanderung dort bie­tet sich als Einstieg zum "Warmlau­fen" fast schon von selbst an, da die Wanderwege dort relativ flach und nicht so steinig sind. Wie wäre es mit der Strecke von Schloss Vaduz zum Wildschloss?
 
Valünatal Blumenwiese am Hang des Valünatals Einer der Startpunkte für Wanderun­gen in der Bergwelt Liechtensteins wird wahrscheinlich für jeden Tou­risten Steg sein. Es ist quasi das Ein­gangstor zum Valünatal. Lediglich ein ungeteerter Transportweg führt an der Alp Valüna vorbei zum Ober­säss am Ende des Tals und von dort weiter zur Pfälzerhütte auf 2108 m. An beiden Stellen können Sie sich mit einer kleineren oder größeren Mahlzeit stärken. Ich rate Ihnen jedoch, erst einmal das Valünatal zu erkunden, denn es ist meiner Meinung nach besonders schön.
Pfälzerhütte mit dem Aufstieg zu dem von dort nicht sichtbaren Augstenberg (2359 m) Blick vom Fuße des Schönbergs zur Bergkette vom Helwangspitz (2000 m) bis zu den Drei Schwestern (2034, 2052, 2048 m) In 2,5 Stunden lässt sich von Steg aus über den Naafkessel (Talkessel am Fuße des Naafkopfs) die bewirt­schaftete Pfälzerhütte am Bettlerjoch (2108 m) erreichen. Nutzen Sie den Fahrweg, verlängert sich diese Zeit um 30 Minuten. Auch wenn Sie von dort oben nicht weiter zum Augsten­berg (2359 m) oder zum Naafkopf (2570 m) wollen, sollten Sie einmal dorthin wandern.
Blick von der Pfälzerhütte Richtung Österreich Blick von der Pfälzerhütte Richtung Österreich Die angegebenen Wanderzeiten stimmen (nicht nur dort) weitestgehend, wenn man wirk­lich wandert und nicht nur spazieren geht. Als Faustregel werden für 1 km ebene Weg­strecke 15 Minuten Wanderzeit angenommen. In steilem Gelände kommen pro 100 m Hö­hendifferenz noch einmal 15 Minuten hinzu.
 
Malbun mit dem (grünen) Gipfel des Sareis (2003 m) rechts und dem Gamsgrat (2201 m) dahinter Planken mit der Rheinseite der Drei Schwestern (2034, 2052, 2048 m) links Malbun und Planken dürften weitere Start- und/oder Endpunkte für Wan­derungen sein. Während sich von Malbun zum Beispiel eine längere Bergwanderung zum Galinakopf (2198 m) oder durch das Valorschtal um den Schönberg (2104 m) herum unternehmen lässt, kann Planken als Basis für Erkundungen in Richtung bewirtschafteter Grafadurahütte (1428 m) und der Gipfel der Drei Schwestern (2034, 2052, 2048 m), des Garsellakopfs (2105 m) und des Kuhgrats (2123 m) dienen.
Blick oberhalb Bärgälla in Richtung Naafkopf, Grauspitz und Falknis Blick oberhalb Bärgälla in Richtung Naafkopf, Grauspitz und Falknis Blick oberhalb Bärgälla in Richtung Naafkopf, Grauspitz und Falknis Ein weiterer, günstig gelegener Startpunkt für Wanderungen dürfte Gaflei auf 1483 m Höhe sein. Von dort führen Wanderwege zum Bärgällasattel und weiter zum berühmten Panora­maweg. Gaflei ist auch der Startpunkt, wenn man den nicht minder bekannten Fürsten­steig in Angriff nehmen will. Doch der Weg ist nichts für Leute (wie mich), die nicht absolut schwindelfrei sind. Sehen Sie sich einfach mal das Titelbild des oben genannten Touren­guides an. Das große Bild zeigt den Fürstensteig. Na, noch Mut genug? Dann los. Die Aus­sicht von dort oben soll fantastisch sein.
 
Auch wenn das Land auf den ersten Blick zu klein für ausgedehnte Wanderungen erscheint, werden Sie trotzdem tagelang unterwegs sein können, ohne zweimal den selben Weg neh­men zu müssen. Auf der schon ganz oben genannten Webseite des Fürstentums Liech­tenstein fand ich die Information, dass es über 400 km Wanderwege dort geben soll.
 
Gelber Enzian Breitblättriges Knabenkraut Wenn Sie sich an den Bergen satt gesehen hast, so achten Sie ruhig einmal auf die Flächen am Wegesrand. Begeistert haben mich jeden Tag wieder die Bergwiesen und bewachsenen Hänge. Es ist erstaunlich, welche Blütenpracht in der doch recht kurzen Vegetationsperiode von nur 4 Monaten dort erblüht. Von diversen Enzian-Arten bis hin zum Knabenkraut ist dort alles zu finden. Botaniker werden bestimmt ein Mehrfaches der Zeit für ihre Wanderungen benötigen, weil sie mit dem Bestimmen und Zuordnen der vielen Arten und Unterarten gar nicht mehr fertig werden.
 
Wildes Alpenveilchen Stengelloser Enzian Für Botaniker dürfte wahrscheinlich der obere Teil des Valünatals besonders inter­essant sein. Auf einem Weg, der zwischen Kamm und Tal nahezu einmal um das gan­ze Tal führt, lassen sich alle nur erdenk­lichen Pflanzen ausmachen. Planen Sie bit­te dort für Fotostopps wesentlich mehr Zeit ein, als Sie es für "normale" Wanderungen machen. Ich selbst würde mich zwar nicht als Botaniker bezeichnen, doch für dieses Wegstück brauchte ich mehr als das Doppelte der auf den Wegweisern angegebenen Zeit.
 
Kugelige Teufelskralle Schnee-Enzian Klar gibt es solche Pflanzenteppiche auch in anderen Tälern. Doch ich hatte den Ein­druck, dass sie dort besonders dicht und nahezu überall zu finden waren. Je höher man (bei anderen Wanderungen) kommt, desto kleiner werden zwar die Wildpflan­zen, doch ihre Vielfalt nimmt trotzdem nicht ab. Hin und wieder finden sich sogar Teufelskrallen und an einigen Stellen auch Alpenveilchen. Die einzige Pflanze, die ich nicht entdecken konnte, war das Edelweiß. Ein Grund mehr, wieder einmal ins Gebirge zu fah­ren.
 
fotogenes Murmeltier missgelaunte Gämse Doch nicht nur Pflanzen sind auf den Wanderungen zu entdecken. Wechselt man an einem Kamm oder Gebirgsrücken das Tal, hört man gerade bei Sonnenschein ga­rantiert ein Murmeltier mit einem schrillen Pfiff Alarm geben. Beim weiteren Annähern verschwinden in der Regel die noch aus der Ferne entdeckten Tiere in ihren unterirdi­schen Bauen. Das Exemplar links wollte hingegen unbedingt aufs Foto, obwohl ich nur noch 7 oder 8 m ent­fernt war. Es blieb in seiner Aufpassstellung auch dann noch stehen, als ich langsam den Weg entlang lief. Ganz anders verhielt sich dagegen die Gämse rechts, die ich kurz vor der Gafadurahütte vor die Linse bekam. Zuerst hörte ich nur ein sich wiederholendes kurzes (verärgertes?) Schnauben, erst danach entdeckte ich sie am Wald­rand. Als ich jedoch keine Anstalten machte zu verschwinden, drehte sie mir ihr Hinterteil zu und trollte sich langsam in den Wald.
 
Hinter dem Berggasthaus Sücka ist eine Regenfront im Anzug. Gewitter- oder Regenwolken? Egal, das Hotel ist gleich erreicht. Doch so schön es in der Bergwelt auch sein mag, spätestens dann, wenn der Himmel am Ende des Tals seine Farbe in ein Unheil verheißen­des Graublau wechselt, sollten Sie sich nach einer sicheren Unterkunft umsehen, auch wenn an Ihrem Standort vielleicht noch die Sonne scheint. Ziehen gar dicke Wolken über den nächsten Kamm, heißt es nur noch: Runter vom Berg! Dann bleiben Ihnen in der Regel weniger als eine Stunde Zeit, bis Sie im Regen und/oder Hagel stehen.
 
Gipfel + Amateurfunk = SOTA
 
SOTA-Programm Wenn man schon im Gebirge unterwegs ist, bietet es sich geradezu an, von ein paar Gipfeln mit seiner Amateurfunktechnik aktiv zu werden. Das SOTA-Programm (Summits On The Air) bietet dafür wichtige In­formationen. Die nachfolgende Aufzählung umfasst alle 11 zum gegen­wärtigen Zeitpunkt in der SOTA-Liste für HB0/LI Liechtenstein gewerte­ten Gipfel.
Alle wertbaren Gipfel sind von Alpinisten einfach erreichbar. Bergwan­derer werden oft auch zu ihren Zielen kommen, wenn sie nicht darauf Wert legen, immer markierte Weg zu benutzen. Wanderern sind die Gipfel nicht zugäng­lich. Doch bitte überschätzen Sie Ihr Können beim Wandern nicht. Lassen Sie lieber einen Gipfel aus und funken von einem für Sie noch sicher zu erreichenden Standort, als dass Sie am Ende ohne QSO unfreiwillig wieder im Tal landen.
Anmerkung: Die geografischen Koordinaten stammen von der SOTA-Webseite.
 
Der Vordere Grauspitz (SOTA HB0/LI-001, 2599 m, 47°3′10″N, 9°34′53″O, 10 Pun­kte) ist für Bergwanderer weder von Liechtenstein noch von der Schweiz aus zugänglich.
 
Den Falknis (SOTA HB0/LI-003, 2560 m, 47°3′2″N, 9°33′50″O, 10 Punkte) kann man von Liechtenstein aus nur auf einem Alpinwanderweg vom Gutschasattel (2045 m) über das Falknishorn (2321 m) und den Mazorakopf (2451 m) erreichen. Leute, die lediglich Berwanderer sind, sollten diesen Weg nicht beschreiten. Eine Alternative bietet der Zugang von der schweizer Seite (Südseite) aus auf einem recht langen Bergwanderweg von Jenins kommend über die Fläscher Alp und das Fläscher Tal. Doch Vorsicht, wenn man oben ange­kommen ist: Die Hänge auf der Nordseite (Richtung Liechtenstein) fallen sehr steil ab!
 
Der Rappastein (SOTA HB0/LI-006, 2222 m, 47°4′36″N, 9°33′56″O, 10 Punkte) ist entweder aus Richtung Osten vom oberen Valünatal bzw. über den Kammweg von Norden oder Süden her erreichbar. Für die Besteigung des Gipfel selbst sollte man allerdings ab­solut schwindelfrei sein.
 
Naafkopf (2570 m), Ansicht von Pfälzerhütte Der Naafkopf (SOTA HB0/LI-002, 2570 m, 47°3′38″N, 9°36′23″O, 10 Punkte) ist für Bergwanderer nur vom Bettler­joch (2108 m) aus erreichbar. Dort bietet sich die bewirtschaf­tete Pfälzerhütte als Basislager oder Zwischenstopp geradezu an. Zum Bettlerjoch und zur Hütte gelangt man recht bequem von Malbun/Steg aus auf einem Bergwanderweg durch den Naafkessel (Talkessel am Fuße des Naafkopfs) oder auf dem et­was längeren, aber einfacheren Fahrweg.
 
links Augstenberg (2359 m), Ansicht vom oberen Valünatal Das Bettlerjoch ist auch einer der beiden Startpunkte für den Aufstieg zum Augstenberg (SOTA HB0/LI-004, 2359 m, 47°4′57″N, 9°36′34″O, 10 Punkte). Doch der Gipfel lässt sich auch auf einem längeren Weg von Malbun aus erreichen. Dieser Weg führt zuerst entweder mit dem Sessellift zum Sareis (2003 m) oder gleich zum Sareisserjoch (2000 m). Danach geht es weiter auf dem Grat über den Spitz (2186 m) zum Zielgipfel.
 
Galinakopf (2198 m), Ansicht vom Valorschtal Der Galinakopf (SOTA HB0/LI-007, 2198 m, 47°9′6″N, 9°37′14″O, 8 Punkte) ist relativ gut erreichbar, doch der Weg von Malbun aus ist recht lang. Man sollte zu seiner Aktivierung früh losgehen, denn alleine die Dauer für den Hin- und Rückweg wird im Tourenguide mit 7 Stunden angegeben. Anfangs führt der Weg größtenteils geschützt unterhalb des Kamms durch Legfören (Krüppelkiefern). Kurz vor dem Ende knickt er ab. Von dort geht es ungeschützt auf dem westlichen Grat bis zum Gip­fel.
 
links Ochsenkopf (2286 m, 10 Punkte), Ansicht vom oberen Valorschtal Das ersten Drittel des Wegs von Malbun zum Galinakopf führt auf der Westseite am Fuße des Ochsenkopfs (SOTA HB0/LI-005, 2286 m, 47°6′52″N, 9°37′28″O, 10 Punkte) vorbei. Alpinwanderer werden bestimmt den einen oder ande­ren Weg über Geröllhalden oder Klippen auf den Ochsenkopf finden und gehen können. Doch der Gipfel ist für Bergwanderer weder von Liechtenstein noch von Österreich aus begehbar.
 
v.l.n.r Stachlerkopf (2071 m), Drei Kapuziner (2084 m, 2071 m, ? m), Schönberg (2104 m), Ansicht vom Valorschtal Der gegenüber dem Ochsenkopf in Richtung West liegende Schönberg (SOTA HB0/LI-009, 2104 m, 47°7′53″N, 9°35′30″O, 8 Punkte) und die beiden benachbarten Gipfel lassen sich recht bequem umrunden. Ein Weg auf den Gipfel führt anfangs als Wanderweg von Malbun kommend bis zum Sassförkle und von dort als Bergwanderweg knapp unterhalb des Stachlerkopfs (2071 m) und der Drei Kapuziner (2084 m, 2071 m, ? m) von Südosten kommend in einem großen Boden hinauf.
 
Nospitz (2091 m), Ansicht von Malbun Wesentlich schwieriger ist der Nospitz (SOTA HB0/LI-010, 2091 m, 47°5′35″N, 9°35′53″O, 8 Punkte) zu meistern, auch wenn er von Malbun aus schon zum Greifen nah erscheint. Anfangs kann man noch die markierte Strecke neben dem Skilift im Vaduxer Tal nutzen, doch die letzten Meter zum Gipfel sind wegen der steilen Hänge und fehlenden Wege für Bergwanderer kaum zu bewältigen. Es gibt vom Skilift aus lediglich eine schmale Schneise zwischen den Klippen und eine breitere Flanke auf der Südwestseite. Auf dieser Seite führt zumindest ein unmarkierter Weg in Richtung Kirchlespitz etwas unterhalb des Gipfels vorbei, der an der über einen markiertem Weg erreichbaren Tälihöhi beginnt.
 
Helwangspitz (2000 m), Ansicht vom unteren Valorschtal Als Startpunkt für die Besteigung des Helwangspitz (SOTA HB0/LI-011, 2000 m, 47°8′54″N, 9°33′42″O, 8 Punkte) bietet sich Gaflei (1483 m) an (Endhaltestelle der Buslinie 22 von Triesenberg aus). Von dort geht es über den Bärgällasattel (1742 m) zum oberen Ende eines Kamin (1937 m) genannten Felseinschnitts. Doch bitte nicht hinuntersteigen. Ab hier muss man sich auf einem schmalen und unmarkierten Weg durch dichte Legfören-Wälder kämpfen. Aber Vorsicht und nicht un­bedacht zu weit gehen! Die Hänge des Helwangspitz sind nach Norden und Osten hin recht steil abfallend und zerklüftet.
 
links Gafleispitz (2000 m), rechts Kuhgrat (2123 m), Ansicht vom Kamin Das untere Ende des Kamins (1817 m) kann auch als Start­punkt für den Weg zum Kuhgrat (SOTA HB0/LI-008, 2123 m, 47°9′59″N, 9°33′38″O, 8 Punkte) dienen. Im der SOTA-Liste für HB0/Liechtenstein ist für HB0/LI-008 jedoch der Garsella­kopf angegeben, was meines Erachtens falsch ist. Der Garsella­kopf liegt in Wirklichkeit auf 47°10′12,7″N, 9°33′52,7″O an der Grenze zu Österreich und hat eine Höhe von nur 2105 m. Wenn er für das SOTA-Programm zählen würde, müsste er zwangsläufig auch in der SOTA-Liste für OE/VB Österreich/Vorarlberg aufgeführt sein. Doch dort ist er korrekterweise aufgrund der fehlen­den Schartenhöhe zum benachbarten Gipfel nicht verzeichnet. Die Höhenangabe von 2123 m gehört zum Kuhgrat.
In der Zwischenzeit habe ich den zuständigen SOTA-Manager angeschrieben und darum gebeten, den korrekten Gipfelnamen einzutragen. Die Position und Höhe sind ja korrekt. Er wird es demnächst ändern - hoffentlich. Doch egal, was dabei herauskommt: Der Weg zu beiden Gipfeln führt hauptsächlich auf der Ostseite des Gebirgszugs vom Gafleisattel (1848 m) am Gafleispitz (2000 m) vorbei in Richtung Nordnordost. Alternative bietet sich als Startpunkt die bewirtschafteten Gafadurahätte (1428 m) oberhalb von Planken an, von der es ab dem Sarojasattel (1628 m) zuerst südlich und dann Richtung Südwest über die Drei Schwestern (2034, 2052, 2048 m) bzw. unterhalb von ihnen vorbei zuerst zum Garsel­lakopf (2105 m) und dann zum Kuhgrat geht.
 
Nachtrag am 19. Oktober 2016: Der Falknis, der Rappastein und der Nospitz sind ab dem 1. Dezember 2016 aus der SOTA-Liste gestrichen, da sie nicht die nötige Schartenhö­he zu den höheren Nachbargipfeln besitzen. Dafür wurde ab 1. Mai 2016 der Schellen­berg (SOTA HB0/LI-012, 698 m, 47°14′25″N, 9°33′58,7″O, 1 Punkt) neu in die SOTA-Liste aufgenommen. Und der SOTA-Manager für HB0 hat den Gipfelnamen des SOTA HB0/LI-008 in Kuhgrat geändert.
 
Spezielle Frequenzen für SOTA-Aktivisten gibt es nicht. Da jedoch in der Regel kleine Lei­stungen verwendet werden, rät das SOTA-Komitee, sich auf den QRP-Frequenzen zu tref­fen.
 
Amateurfunklizenz und Funkbetrieb
 
Eine Funkstation war auch während dieses Urlaubs wieder mit im Gepäck. Um die Beantra­gung einer speziellen Lizenz brauchte ich mir keine Sorge zu machen, denn Liechtenstein hat das CEPT-Abkommen unterzeichnet. Daher konnte ich ohne Probleme als HB0/DK3RED/P aktiv werden. Wenn Sie mehr Informationen über den Amateurfunk in Liechtenstein erhalten wollen, so sehen Sie sich einmal beim Amateurfunkverein Liech­tenstein (AFVL) um.
Als Stationsequipment waren ein Elecraft K1 mit 5 W Ausgangsleistung, eine MP-1 mit Standfuß, eine Palm Portable Key und diverses Zubehör mit im Gepäck. Zur Stromversor­gung dienten zwei Pakete mit je 10 NiMH-Akkumulatoren, wobei das passende Ladegerät immer im Hotel verblieb.
 
Vorgesehen war Funkbetrieb sowohl vom Balkon des Hotels aus als auch während der Wanderungen. Jedoch stellte ich schon am ersten Abend im Hotel fest, dass irgendetwas im Haus sehr starke und auf allen Bändern vorhandenen Störungen verursachte. Die waren leider auch am nächsten Tag noch vorhanden. Es war mir verständlicherweise nicht mög­lich, Teile des Hotels stromlos zu schalten, um der Störquelle auf die Spur zu kommen. Da­her wurde ich nur Outdoor aktiv, was dem Funkbetrieb bedingt durch die Witterung und die bei den Wanderungen bis zur Dunkelheit zur Verfügung stehender Zeit gewisse Grenzen setzte.
 
Trotzdem konnte ich an 4 Tagen in insgesamt 9 Stunden auf 40, 30, 20 und 17 m am Ende 32 QSOs führen. Erwartungsgemäß waren unter den 18 erreichten DXCC-Gebieten viele Stationen aus Europa (DL, F, G, HA, I, OM, PA, RA2, RAeu, S5, SM, TF, UR, YU), aber auch einige DX-Stationen (A6, JA, RAas, W). Die Stationen befanden sich auf 3 Kontinenten (AS, EU, NA) und in 8 CQ-Zonen (4, 14, 15, 16, 19, 21, 25, 40). Pro Tag fanden zwischen 5 und 15 QSOs Eingang ins Logbuch. Dabei rief ich entweder um die QRP-Frequenzen herum oder etwas niedriger stets selbst CQ. An einem Tag war deutlich der Zeitpunkt zu merken, als ich im DX-Cluster gemeldet wurde. Danach war die von mir belegte Frequenz merklich belebter, sodass ich die QSOs etwas kürzer fassen musste. Doch neben dem Rapport wollte ich zumindest von jedem Anrufer auch dann noch den Namen erfahren - soviel Zeit musste sein. Das geht trotzdem recht schnell, wenn man wie bei

... DE HB0/DK3RED/P = GE RST 579 579 NAME INGO INGO BK

im 1. Durchgang nach dem Rapport gleich den Namen mit sendet. In allen Fällen erfuhr ich so ohne Nachfrage auch den Namen des Operators an der anderen Seite der Funkverbin­dung. War es ruhiger, tauschte ich mit meinem Gegenüber auch Informationen zum Stand­ort und zur verwendeten Station aus. Geloggt wurde ganz altmodisch, aber störungssicher, auf einem Blatt Papier mit einem Schreibstift.
 
neugierige Kuh Passe bei der Auswahl eines Standpunkts für die Funkstation au­ßerhalb von Gebäuden auf! Gerade in den unteren Bereichen der Ber­ge oder in der Nähe einer Alm führen die Wanderwege oft über Wei­den, auf den Kühe oder manchmal auch Pferde grasen. Auf solchen Flächen verbietet sich der Funkbetrieb aus zwei Gründen. Zum einen sind diese Areale mit elektrischen Weidezäunen umgeben, die aller paar Sekunden ein lautes Knallen im Kopfhörer verursachen würden. Zum anderen sind Kühe und Pferde sehr neugierig. Denken Sie bei ihrem Näherkommen nicht, dass Sie ungestört weiter Funkbetrieb machen können oder ohne Beschädigungen an der Station davon­kommen. Spätestens dann, wenn zum Beispiel Ihre Morsetaste im Maul einer Kuh verschwindet, werden Sie an meine Warnungen zurückdenken.
Doch noch einmal kurz zu den Weidezäunen. Die stehen zumindest in den Sommermo­naten immer um die Weiden herum, auch wenn keine Tiere darauf sind. In diesen Fällen schaltet der Bauer die Stromversorgung aus Ersparnisgründen ab und es herrscht Ruhe im Empfänger. Nun müssen Sie den Zaun aber nicht mit den Fingern anfassen, um festzu­stellen, ob er noch unter Strom steht. Sehen Sie sich lieber nach einem langen Grashalm um, der gegen den Draht stößt und hören Sie, ob an dieser Stelle ein sich wiederholendes Knistern zu hören ist. Wenn ja, so suchen Sie sich ein anderes Areal, denn der Zaun steht unter Strom und die tierischen Nutzer dieser Weide sind dann auch nicht weit. Eventuell entdecken sie Sie eher, als Sie sie.
 
QSL-Karte HB0/DK3RED/P QSL-Karten für alle Funkverbindungen sind in Vorbereitung. Sie werden nach der Fertigstellung automatisch über das QSL-Büro versandt, ohne eingehende QSL-Karten abzuwarten. Trotzdem würde ich mich über den Empfang von QSL-Karte freuen.
 
Ich bedanke mich auf diesem Wege noch einmal bei allen, die meine leisen Signale aufnehmen konnten. Es hat mir einen rie­sigen Spaß gemacht und ich hoffe, vielleicht dem einen oder anderen zu einem neuen DXCC-Gebiet oder einem weiteren Pünktchen auf dem Weg zu dem einen oder anderen Diplom verholfen zu haben.
 
P.S.: Vielleicht kann dieser Kurzbericht als Anregung dienen, selbst einmal mit kleiner Sendeleistung aus einem anderen Land aktiv zu werden. Es muss nicht immer eine große DXpedition sein, die Tonnen von Material um die halbe Welt schickt, bevor sich das erste Signal von der Antenne löst. Wie Sie sehen, geht es auch mit wesentlich weniger Ausrü­stung, ohne Abstriche am Spaß hinnehmen zu müssen.

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