Wildblumen in der Wüste Südafrikas

21. August - 5. September 2009
 
Flagge von Südafrika Das Jahresende 2008 rückte näher und somit auch die Frage, wo ich den nächsten Urlaub verbringen könnte. Ich war nun schon zwei Jahre hintereinander an Ziele gereist, für die ich (rechtzei­tig) keine Funklizenz erhielt. Diesmal wollte ich auf Nummer si­cher gehen.
Also brachte ich die CEPT-Liste in Übereinstimmung mit meinen Wunschzielen und den möglichen Reisezeiten. Der Schnittpunkt lag in Südafrika. Gut, ich war schon einmal dort. Doch vor nun­mehr 10 Jahren ging es mit einem Zug von Kapstadt aus immer nahe der Küste entlang und dann über den Kruger Nationalpark nach Johannesburg. Diesmal visierte ich die West­küste und den Norden an.
Reiseroute Bei meiner ersten Reise durch Südafrika benutzte ich den Shongololo Express. Zuerst überlegte ich, wieder diesen Zug zu benutzen, denn er fährt auch von Kapstadt an der Westküste entlang bis nach Namibia. Doch dann hätte ich nichts vom Norden gesehen.
Jedoch fährt Rotel Tours an der Westküste entlang und dann im hohen Norden Richtung Johannesburg. Also buchte ich diese Reise. Wahrscheinlich war es eher ungewöhnlich für eine Reise, aber ich hoffte, dass es vorher regnen würde. Ansonsten wären die Wildblumen nicht zu sehen gewesen.
 
Die trockenen Tage
 
Kimberley Kalahari Am Abend der 1. Tages ging es in einem Nacht­flug nach Johannesburg. Doch diese Stadt war nicht unser Ziel. Dafür fuhren wir gleich in Rich­tung Bloemhof Dam weiter. Das ist ein Naturreser­vat an einem Stausee, an dessen Ufer unser Über­nachtungsplatz lag.
Der 3. Tag führte uns durch Kimberley. Dort ist immer noch das größte, jemals von Menschen­hand geschaffene Loch zu sehen. Diese alte Dia­mantenmine füllt sich langsam mit Wasser, doch der noch sichtbare Teil ist trotzdem beeindru­ckend. Von 1871 bis 1914 wurden insgesamt 22,5 Millionen Tonnen Gestein bewegt, um Diamanten mit 14,5 Millionen Karat (2,9 Tonnen) zu gewinnen. Im Ausstellungszentrum sind neben verschiedenen geologischen Darstellungen in einem speziell gesicherten Be­reich auch echte Diamanten in allen Farben (gelb, grün, blau, schwarz) zu sehen. Abends landeten wir in Groblers Hoop.
Salzsee Nest der Siedelweber Am nächsten Tag fuhren wir am Rande der Kalahari-Wüste entlang. Es regnet dort auch etwas, sodass sie eine Halbwüste ist. Dadurch gibt es dort neben den Sanddünen auch einige Sträucher und Bäume. Doch nur sehr selten füllen sich die flachen Seen mit Wasser. In einigen wird das zurück­gebliebene Salz vermarktet.
Besonders wenn keine größeren Bäume vorhanden sind, dienen die Telegrafenmasten den Siedelwebern als Bauplatz für ihre Gemeinschaftsnester. Abends erreichten wir endlich den Kgalagadi Transfrontier Park.
 
Die tierreichen Tage
 
Rast im Park Strauß Ohne Schlafwagen ging es am nächsten Tag zu einer kleinen Safari weiter hinein in den Park. Leider konnten wir mit unserem schweren Gefährt keine größere Strecken befahren. Die meisten Wege sind nur für geländegängige Fahrzeuge passierbar. Zwar war unser Bus ein Allradfahrzeug, doch die­se Strecken blieben uns verschlossen. So blieb das von uns befahrene Gebiet dieses riesigen, bis weit ins Nachbarland Botswana reichenden Nationalparks eher klein. Wer mehr sehen will, sollte daher eine oder mehrere Über­nachtungen in den verschiedenen Camps im Park vorsehen.
Streifengnus Springböcke Trotzdem konnten wir viele Tiere entdecken. Strauße, Streifengnus, Springböcke und Oryx waren recht oft in größerer Entfernung, aber auch in unmittelbarer Nähe auszu­machen. Sie ließen sich auch durch unser großes und auffälliges Gefährt nicht stören. Wahrscheinlich ist die­ses Verhalten auch der Tatsache ge­schuldet, dass das Verlassen des Fahrzeuges nur an den zahlreichen gekennzeichneten Pausenplätzen erlaubt ist.
Oryx-Antilopen Steinbock Auch Vögel waren zu entdecken. In einem Baum nahe des Weges döste zum Beispiel eine Eule. Einmal konnten wir in unmittel­barer Nähe verfolgen, wie 3 kleinere Greif­vögel einen größeren Vertreter ihrer Art vertrieben. Wer aufmerksam war, konnte auch Erdmännchen beobachten. Sie be­wachten ihren Bau, verschwanden aber bei unserem Näherkommen. Aber auch eher scheue Wesen wie der kleine Steinbock ließen sich entdecken, ver­drückten sich aber schnell wieder.
 
Erdhörnchen Klippschliefer Ziel des 6. Tages war der Augrabies Falls Nationalpark. In ihm unternahmen wir am späten Nachmittag noch einen kleinen Spa­ziergang zum Wasserfall, da der Rastplatz recht nahe bei lag. Dabei "stolperte" nicht nur ich über diverse Klippschliefer. Leider war etwas trübes Wetter.
Unsere Reiseleiterin führte uns am näch­sten Tag bei gleißendem Sonnenschein durch die nähere Umgebung des Wasserfalls. Während sich unsere Gruppe durch bizarre Felsformationen und seichte Flüsse bewegte, wurden wir aus sicherer Entfernung von Pavianen beobachtet. Erdhörnchen und (diebi­sche) Blauaffen gab es nach der Rückkehr aus nächster Nähe auf dem Rastplatz zu sehen.
im Augrabis Falls N.P. Giraffe Nachmittags konnten wir noch eine kleine Safarifahrt in einem kleinen offenen Wagen unternehmen. Der Rotel-Bus blieb auf dem Rastplatz. Diesmal ging es in die weitere Umgebung des Wasserfalls. Ziel war es, noch ein paar Großtiere dieses Gebiets zu entdecken. Doch wir mussten uns mit ei­nem Giraffenpaar begnügen. Dafür ent­schädigte zumindest mich die bizarr ge­formte Felsenlandschaft.
Augrabis Falls Agame Die ebenfalls im Park beheimateten Leopar­den, Wüstenluchse und Schakale ließen sich nicht sehen. Der Sonnenschein war auch nach unserer Rückkehr noch vorhan­den, sodass sich ein zweiter Gang zum Wasserfall lohnte. Nun präsentierte sich der Wasserfall in seiner ganzen Pracht, an einer Stelle sogar mit einem Regenbogen. Um den Wasserfall herum ließen sich auch di­verse Agamen auf den Felsen blicken.
 
Die Blumentage
 
blühender Köcherbaum Lachenalia carnosa Standen die bisherigen Tage hauptsächlich im Zei­chen der Tierbeobachtung, ging es am 8. Tag endlich dem Hauptziel entgegen: den Blumen in der Wüste. Eine sehr gute Gelegenheit, die Flora bewundern zu können, bot sich im Goegab Natur­reservat in der Nähe von Springbok. Mehrere Rundwege führen dort durch die felsige Berg­landschaft. Bitte fragt mich nicht mehr nach all den Pflanzennamen, die uns unsere Reiseleiterin Elke sagte. Um sie sich zu merken, waren es einfach zu viele. In diesem Gebiet gibt es über 4000 verschiedene Arten!
Alle Pflanzen dieses Gebiets zählen zur Ka­tegorie der tropischen Flora. Das Farbspek­takel hängt vom Regen ab, eine zeitliche Vorhersage für das Auftauchen des Blüten­meeres ist daher schwer. Doch wir hatten Glück. Wer sich einmal durch diesen Blü­tenteppich bewegt hat, mag nicht glauben, dass diese Blütenpracht in wenigen Wochen wieder einem tristen rot-grauen Sandboden gewichen sein soll. Dann werden nur noch wenige Sträucher übrig sein. Von den Blumen bleiben dann nur die Hunderttausende Samen­kapseln pro Quadratmeter, die auf den Regen des kommenden Jahres warten.
violetter Blütenteppich Maskenweber Doch wo Pflanzen zu sehen sind, fin­den sich zumindest auch immer Vö­gel. Hier geriet mir zum Beispiel ei­ner der vielen Maskenweber vor die Kamera. Sie nisteten im Garten des kleinen Cafes, auf dessen Parkplatz unser Bus stand, und machten einen riesen Radau. Ziel am Abend war Springbok, dass so etwas wie das Zentrum des Namaqualandes ist.
 
Lapeirousia silenoides Doch die Blütenpracht sollte am 9. Tag noch eine Steigerung finden, als es von Springbok aus für einen Tag in den Nama­qualand Nationalpark ging. Schon auf der Fahrt dorthin, entdeckten wir die immer öfter anzutreffenden Blütenkissen in allen Farben. Von rosa über violett bis hin zu gelb und orange ließen sich alle Varianten ausmachen. Auch viele weiße und ein paar blaue Flecken waren schon während der Fahrt zu sehen.
Als wir schließlich im Skilpad Wild Flower Reserve (Teil des Namaqua National Park) ankamen, trauten wir unseren Augen kaum. Die Hauptfarbe war ein sattes Oran­ge. So eine Farbenpracht kannte ich bisher nur von den blühenden Rapsfeldern in Deutschland. Doch bei genauer Betrachtung stellte sich schnell heraus, dass es nicht nur eine Sorte von Blumen war. Es war viel­mehr eine wilde Ansammlung von unterschiedlichen Arten, bei denen lediglich die Farbe Orange überwog. Es fanden sich genauso oft völlig bunte Flächen in Abstufungen von gelb, rot und blau.
rennende Schildkröte Zumindest ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Da verblasste der heimische, so gehegte Balkongarten völlig.
Das dieses Gebiet den Namen Skil­pad nicht umsonst verdient, zeigte sich bei einem zweiten kleinen Rund­gang. Auf ihm flitzte uns in erstaunli­chem Tempo eine der hier öfters an­zutreffenden Schildkröten über den Weg.
 
Blick zurück vom Bokkefeld Nieuwoudtville Falls Der 10. Tag führte uns über den Van­rhyns-Pass auf das Bokkefeld benannte Hochland. Bei einem Blick zurück ist erst zu erkennen, wie weitläufig dieses Land ist. Da ziehen sich Straßen 20 oder 30 km schnur­gerade hin, bevor sie auf eine größere Ort­schaft stoßen.
Unser Weg ging an dem 90 m hohen Nieu­woudtville-Wasserfall nahe der kleinen Stadt gleichen Namens vorbei. Obwohl im September die Regenzeit bereits vorbei ist und dadurch wenig Wasser im Fluss vorhanden war, lohnt sich ein Abstecher dorthin. Es gibt dort neben der schönen Landschaft auch genü­gend Blumen zu sehen. Und die Farmer der Umgebung bieten (an den Wochenenden) selbstgemachte Marmeladen und Würstchen an.
Paradiesreiher Auf unserem Weg zu unserem Rastplatz auf einer Schaffarm ging es über unbefestigte Straßen. Da­bei konnten wir auch eine größere Ansammlung von Paradiesreihern entdecken. Diese Vögel zieren unter anderem das Wappen des Landes.
Am frühen Nachmittag kamen wir auf der Farm an. Der Großteil der Reisegruppe nutze die Gele­genheit, mit dem Bus über die nun von Blumen übersäten Felder zu fahren - selbstverständlich auf den ausgewiesenen Wegen. Doch ich trabte mit ei­nigen Enthusiasten zu Fuß los.
Bulbinella latifolia Hauptattraktion dieser Region sind nicht nur bei Botanikern die diversen Zwiebelge­wächse. Von ihnen konnten wir als Laien auch diverse Exemplare entdecken, die durch alle möglichen Farben und Formen der Blüten bestachen. Unter ihnen befinden sich diverse Orchideen. Besonders in Erin­nerung sind mir noch die Bulbinella geblie­ben, deren gelbe Blütenstände fast wie startende Sylvesterraketen aussahen. Sie soll es auch in weiß und rot geben, doch wir konnten nur die gelben sichten.
Felszeichnung Agame Auf dem Weg nach Clanwilliam un­ternahmen wir noch einen Abstecher zu einem Tal, in dem besonders viele Buschmann-Zeichnungen zu finden sind. Dieses Sevilla Trail genannte Gebiet umfasst mehrere Wege. Wir gingen nur ein Stück auf dem kurzen Weg. Wer will, kann hier statt einer Stippvisite zu unternehmen auch tagelang unterwegs sein.
Rooibos-Plantage Oryxweber Clanwilliam ist das Zentrum der Produktion von Rooibos-Tee Südafrikas. Eine Ausstel­lung in dem Betrieb, in dem die als Grund­lage dienenden Sträucher zu dem in die ganze Welt exportierten, aromatischen Tee verarbeitet werden, lässt sich besichtigen. Aber die Werkshallen bleiben den Besu­chern verschlossen.
Als ich mit einigen Mitreisenden in einem Cafe in der Stadt saß, flog irgendetwas knallrotes durch die Luft. Erst als sich diese Feuerkugel auf einem Kameldornbaum niederließ, ent­puppte sie sich als Oryxweber.
 
Die Tage am Ozean
 
Kaptölpel Nun, da wir dem Wasser des Atlantiks näher gekommen waren, ver­wunderte es nicht, dass sich verstärkt Seevögel erspähen ließen. Vor der Küste von Lamberts Bay befindet sich sogar eine kleine Kolonie von Kaptölpeln (und etwas weiter weg von Ohrenrobben). Ihre Nist­plätze sind dank einer kleinen Mole am Hafen per Fuß zu erreichen. Ein kleiner Aussichtsturm erleichtert die Beobachtung dieser schön ge­färbten Vögel. Hin und wieder sollen sich auch Pinguine auf der Insel einfinden. Als wir dort waren, ließen sie sich aber nicht blicken. Als Zu­gabe ließen sich von der Mole aus jedoch ein paar Delfine beobachten, die sich in der Bucht tummelten.
Flamingos fliegender Pelikan Auf dem Weg von Lamberts Bay nach Vredenburg nutze Alfred, unser Fahrer, die parallel zur Fernverkehrs­straße liegende Weg am Strand. Sie ist nicht besonders komfortabel und daher nur langsam zu befahren. Doch von ihr aus ließen sich unter anderem Flamingos ausmachen. Auch einen parallel zur Straße flie­genden Pelikan konnte ich mit der Kamera festhalten. Nach einem kurzen Stopp in Vreden­burg ging es nach Paternoster.
Paternoster abends am Atlantik Paternoster ist ein ehemalige kleines Fischerdorf, dass sich zum beschau­lichen Urlaubsort gewandelt hat. Übernachtet haben wir im Cape Co­lumbine Nature Reserve nahe Pater­noster direkt am Atlantik. Dort war zwar (beabsichtig) kein Stroman­schluss vorhanden, doch abends um ein Lagerfeuer sitzend, genossen wir den Abend am Meer trotzdem.
Langebaan-Lagune Calla Um die Langebaan-Lagune (West Coast Na­tional Park) herum, die wir am 13. Tag be­suchten, soll es 150000 Vögel geben - wahrscheinlich ein Paradies für Ornitho­logen. Genügend Blumen sowie große und kleine Tiere waren aber auch zu entdecken.
Doch die unter anderem nahe des Atlantiks erspähten Bonteböcke verdrückten sich schnell wieder, als unser Bus hielt und wir zum Strand schlenderten.
Bonteböcke Am herrlich weißen Sandstrand war noch genügend Zeit zum Spazieren­gehen. Zum Baden war das Wasser aber definitiv zu kalt und die Wellen zu stark.
 
Blick zum Kap der guten Hoffnung am Kap der guten Hoffnung Der 14. Tag war der Kaphalbinsel vorbehalten. Auf dem Weg in den Süden waren die Zwölf Apostel (eine Bergkette am Tafelberg) im Nebel zwar nicht zu sehen, doch dieser lichtete sich bald. Als wir schließlich am südwestlichsten Punkt des afrika­nischen Kontinents ankamen, war herrlicher Sonnenschein. Nur der Wind blies mit erheblicher Stärke. Doch dem trotzten wir, als es in einer kleinen Wande­rung vom Cape Point zum Kap der guten Hoffnung ging.
Hinweis: Der südlichste Punkt des afrikanischen Kontinents, und somit der Punkt des Zu­sammentreffens von Atlantik und Indischem Ozean, ist das Kap Agulhas, das 150 km süd­östlicher liegt.
Protea Auf dem Rückweg zum Rastplatz weit außerhalb von Kapstadt besuchten wir noch den Botanischen Garten Kirstenbosch. Dort waren sehr viele der bisher in freier Wildbahn entdeckten Blumen noch einmal aus nächster Nähe zu sehen.
Auch einige Exemplare, die wir nur im verblühten Zustand vorgefunden hatten, standen hier noch in voller Blüte - so zum Beispiel die diversen Protea.
Waterfront Abonwabisi Brothers Abends schlenderten wir dann noch kurz an der Waterfront von Kapstadt entlang. In den ehemaligen Hafen­hallen haben sich heute gute Restau­rants und ausgezeichnete Geschäfte angesiedelt, die auch gerne von den Bewohnern Kapstadts selbst besucht werden. Auf dem Weg zu einem der Fischrestaurants konnte ein kleiner Teil unserer Reisegruppe auch die Abonwabisi Brothers entdecken. Sie wurde durch den legendäre Chor Ladysmith Black Mambazo inspiriert. Wer will, kann eine CD-ROM mit ihren Liedern vor Ort erwerben - mal ein etwas anderes Andenken.
Blick vom Tafelberg auf die Kaphalbinsel Tafeltuch auf dem Tafelberg Da das Wetter am 15. Tag während der Fahrt nach Kapstadt von trübe auf sonnig wechselte und auch der Wind nicht so stark wie am Vortag weh­te, zog es alle noch auf den Tafelberg. Der Rund­gang dort oben blieb zwar im Hinblick auf den bal­digen Rückflug kurz, aber eindrucksvoll.
Zum Glück waren alle Mitglieder unserer Reise­gruppe wieder an der Talstation, als sich das soge­nannte Tafeltuch über den Tafelberg legte. Zu die­sem Zeitpunkt ging es mit der Gondel weder hin­auf noch hinunter - und die, die noch auf dem Pla­teau waren, saßen oben bei eisiger Kälte (durch die Wolken) fest.
Doch für uns ging es zum Flughafen, von wo aus wir unseren Rückflug mit einem Inlands­flug nach Johannesburg begannen. Nach einem nochmaligen Nachtflug landeten wir wieder in Deutschland.
 
Gastlizenz, Station und Amateurfunk
 
Südafrika ist ein CEPT-Land. Da Deutschland ebenfalls CEPT-Mitglied ist, heißt es, dass ich bis zu 3 Monate ohne jegliche Formalitäten von dort aktiv werden könnte. Erforderlich ist lediglich die eigene Lizenz.
 
Als CW-Transceiver kam die 4-Band-Version des Elecraft K1 mit ins Gepäck, den ich mir im Januar baute. Vor der Mitnahme eines Monoband-Transceiver nahm ich diesmal Abstand, da die Ausbreitungsbedingungen im derzeitigen Minimum der Sonnenaktivität unbeständig sind. Mit einem Monoband-Gerät ist man aber auf ein Band festgelegt - und dieses Band kann im ungünstigsten Fall nicht offen sein, wenn man funken will. Als Antenne waren 2 x 10 m Draht, der ZM-4 und mein 10 m langer Spieth-Mast mit im Gepäck. Daraus sollten sich diverse Antennen errichten lassen. Doch der Reihe nach.
 
Alles beginnt bekanntlich mit dem Verstauen der Station. Ich nutzte, wie in den Jahren davor, einen kleinen Metallkoffer, den ich in die verschlossene Reisetasche packte. Bisher holte mich der deutsche Sicherheitsdienst (und nur der) nach der Abfertigung immer wie­der für eine Nachkontrolle zurück zum Schalter. Ich zeigte ihnen, was im Koffer ist und die Reisetasche begann mit einem kleinen Anhänger versehen erneut ihre Reise durch den Flughafen zum Flugzeug. Danach gelangte das Gepäck ohne weitere Kontrollen bis zum Zielflughafen, auch wenn dies mehrere Flüge hintereinander waren.
 
Doch diesmal war alles anders. Schon bei der Abfertigung fiel mir auf, dass ich den zweiten Gang zum Schalter nicht machen musste. Warum dies so war, bemerkte ich erst in Süd­afrika: Die Reisetasche war geöffnet worden! Da ich aus Sicherheitsgründen ihren Reiß­verschluss mit einem kleinen Schloss gesichert hatte, war man nicht vor dem Herausreißen eines großen Teils des Reißverschlusses zurückgescheut. Ein in die Tasche gesteckter Zettel bestätigte das Öffnen durch den Sicherheitsdienst in Deutschland. Auf dem Zettel war ver­merkt, dass es aufgrund der verstärkten Sicherheitskontrollen nicht möglich sei, den Rei­senden und sein Gepäck für eine zusätzliche Kontrolle zusammenzuführen. Die Frechheit war, dass zwei Leute auf dem Zettel unterschrieben hatten, dass durch die Durchsuchung das Gepäck nicht (!) beschädigt wurde.
 
Globus ZS Noch reichlich verärgert baute ich am ersten Abend direkt am Bloemhof Dam meine Station auf. Auf 18 und 15 m war nichts (mehr) zu hören. Nur auf 30 und 40 m konnte ich einige Sta­tionen aufnehmen. Doch der Erfolg wollte sich nicht einstellen. Zwar hielten die Gegenstationen kurz mit ihren CQ-Rufen inne, doch noch nicht mal eine Rückfrage war zu hören. Nur die neu­en CQ-Rufe bestätigte mir, dass mein Signal zu dünn gewesen sein musste.
Auch der zweite und dritte Versuch im Transfrontier Park brach­te keine QSOs ins Logbuch. Ich hörte wieder einige Stationen aus Europa (Italien, Deutschland, Russland) und sogar eine Station aus Indonesien. Zwar rief ich sie sofort an, doch Verbindungen kamen wieder nicht zustande. Dadurch schwand der Elan schnell.
Meine letzte Hoffnung waren immer die QRP-Frequenzen. Leider waren dort keine Signale aufzunehmen. Und so verwunderte es auch nicht, dass dort auch auf diverse CQ-Rufe nie­mand antwortete. Nach drei Abenden, an denen ich insgesamt 12 Stunden erfolglosen an der Station saß, gab ich letztlich auf. Die Station blieb für den Rest der Reise eingepackt. Nur der Spieth-Mast leistete mir noch wertvolle Dienste beim Vertreiben der diebischen Af­fen auf einem Rastplatz. So eine lange Schlange hatten sie bestimmt noch nicht in ihren Bäumen gesehen.
 
Leuchtturm am Cape Columbine Auf unserem Weg zum Rastplatz nahe Paternoster kamen wir auch am Leuchtturm auf dem Cape Columbine (SAF-034) vorbei. Im Internet findet sich die Information, dass dies das letzte bemannte Exemplar in Südafrika sei. Doch diese Aussage ist falsch, wie mir unsere Reiselei­terin Elke sagte. Zumindest am Turm auf Dassen Island (SAF-042) wohnen noch einige Personen. Und sie sollte es wissen, denn diese In­sel liegt direkt vor ihrer Haustür. Als ich wieder zu Hause war, konnte ich dies nach einiger Suche auch im Internet bestätigt finden. Wahr­scheinlich gibt es sogar noch mehr als diese zwei Leuchttürme, auf denen in Südafrika Wächter ihren Dienst tun.
 
Fazit: Es ist schwer, im Sonnenfleckenminimum mit einer QRP-Station DX-Verbindungen erreichen zu wollen. Manchmal kann es, so wie bei mir, völlig scheitern. Doch ich ärgere mich nicht deswegen. Auf mich lastete ja nicht der Erfolgsdruck einer DXpedition. Und Skeds hatte ich in weiser Voraussicht auch nicht verabredet. Es wäre eine nette Beschäf­tigung an den Abenden gewesen, doch ich habe sie auch so (bei einem guten Rotwein und im Gespräch mit den anderen Reisenden) sehr angenehm verbracht.
 
Bei meiner Rückkehr nach Deutschland wandte ich mich unverzüglich an die Stelle des Flughafens, die sich vermissten und beschädigten Gepäckstücken annimmt. Dort verstand man meinen Ärger, doch ich hätte spätestens 7 Tage nach der Beschädigung Meldung er­statten müssen. Damit sie mich nicht als Kunden verlieren, eigneten wir uns darauf, dass die Beschädigung nicht beim Hinflug, sondern (gerade erst) beim Rückflug passiert sei. Dadurch konnte ich doch noch eine Schadensmeldung aufgeben und erhielt eine neue an­dere Reisetasche.
 
Wieder etwas gelernt: Wenn Sie auch mit einer kleinen Funkstation unterwegs sein willst, so packen Sie sie in den Koffer, aber lassen Sie ihn offen. Alternativ können Sie sie im Handgepäck verstauen. Doch dann müssen Sie sie bei jedem Flugzeugwechsel vorzeigen.
 
Das waren meine Erfahrungen in Südafrika in Kurzform. Zwar konnte ich als ZS/DK3RED keine andere Funkamateure erreichen, aber die Reise war trotzdem kein Rein­fall. Dafür war das Land mit seinen Bewohner und nicht zuletzt mit seiner Flora und Fauna einfach zu interessant.

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