Irland, die smaragdgrüne Insel

25. Juli - 7. August 2005
 
Wenn man den Betrieb auf den Kurzwellenbändern beobachtet, scheinen die attrakti­ven DXpeditionen stets zu kleinen Inseln irgendwo am anderen Ende der Welt unter­nommen zu werden. Und sieht man auf die Big Guns mit dicken Endstufen und Beams für die unteren Bänder, die tausende von QSOs an einem Tag ins Logbuch bekommen, so bin ich mit meiner QRP-Station und den verwendeten einfachen Drahtantennen eher als Little Pistol anzusehen.
 
Wohin reisen?
 
Doch wohin sollte jemand wie ich fahren, um auch einmal am anderen Ende einer heiß begehrten DX-Verbindung zu sitzen? Eine lange Seereise zur anvisierten Insel, die dann vielleicht wegen schlechten Wetters nicht angelaufen werden kann, schied für mich aus. Ebenso die Mitnahme von tonnenschwerem Equipment oder umständliche Prozeduren, um eine Sendegenehmigung zu bekommen.
 
Mit den Augen eines Funkamateurs gesehen sollte ein attraktives Land klein sein. Nicht unbedingt klein von der Fläche her, aber mit wenigen Funkamateuren dort. Um das lei­dige Thema Lizenz zu umgehen, holte ich mir die aktuelle CEPT-Liste aus unserer Club­zeitschrift hervor und suchte ein passendes Land. Irland? Irland. Ja, das ist es!
 
Globus EI_MI Flagge EI_MI In Irland sind nur 1700 Lizenzen verzeichnet, in Nordirland sogar nur 1200 (Quelle: International Amateur Radio Callbook). Ein Vergleich: In Deutschland gibt es 78200 - fast 27-mal mehr als in beiden Ländern zusammen! Da ich ja nicht nur we­gen des Amateurfunks in ein ande­res Land fahren wollte, sollte auch etwas für das Gemüt heraussprin­gen. Und welches Land wäre da nicht besser geeignet als Irland, das als die smaragdgrüne Insel bezeichnet wird? Viele herrliche Bilder untermalen dies anschaulich. Am Ende gab die geringe Distanz von Deutsch­land zur irischen Insel den Ausschlag, den Urlaub dort zu ver­bringen.
 
Womit reisen?
 
Rotel-Bus Da ich keine Fahrerlaubnis besitze, sehe ich mich bei meinen Reisen immer nach alternativen Transportmitteln um. Diesmal war wieder ein Bus dran. Rotel Tours kannte ich schon von meiner Reise durch Neuseeland und so buchte ich dort wie­der. Wenn man sich einmal mit den Schlafkojen angefreundet hat, ist diese Art des Reisens ein Genuß. Bestimmt haben schon ein paar von Euch diese ungewöhnlich aussehenden Busse irgendwo auf der Welt gesehen.
 
Rotel-Bus Einen entscheidenen Vorteil bietet diese Art des Reisens: Man hat das Hotel immer dabei und kann trotzdem überall hin fahren! Als QRPer bin ich das ständige Auf- und Abbauen der Funkstation schon von den diversen Portabel-Aktivitäten zu Hause gewöhnt. Ein Tisch mit Lampe für die Station und ein bequemer Sessel zum Sitzen wie zu Hause ist nicht schlecht - es geht aber auch auf einer Holzbank mit daran befestigtem Antennenmast oder sogar auf dem Rasen.
 
Nicht die Masse machts!
 
Beim Packen der Koffer stellen sich Funkamateure immer wieder eine Frage: Wo und wie soll ich meine Station verstauen? Für mich als QRPer gibt es darauf schnell eine Antwort. Da ich keinen Container mit tonnenschwerem Equipment mitnehmen musste, fand alles in einer Reisetasche Platz. Übergepäck? So etwas kenne ich nicht! Von den 20 kg Freigepäck nutzte ich nur etwas mehr als 15 kg aus. Und da war neben den gan­zen Sachen, die man im Urlaub benötigt, der Mast schon mit dabei!
 
Station Die gesamte Station verstaute ich zwischen Handtüchern und Hosen in der Reisetasche. Der Mast geht oft einen anderen Weg als die Tasche, da er sich wegen der Überlänge (1,15 m) sonst auf den Transportbändern im Flughafengebäude ir­gendwo verhakt. Daher muss ich ihn oft auch erst wieder an einer separaten Stelle abholen. Verloren ging er aber bisher noch nicht. Auf einen Mast sollte man nur dann verzichten, wenn man genau weiß, ob an den anvisierten Orten auch Bäume zum Aufbauen der Antenne vorhanden sind. Vor der Reise riet mir Seab, AA1MY, unbedingt einen Mast mitzunehmen, da die Bäume in Irland eher rar gesäht sind. Ich habe die Mitnahme nicht bereut. Zwar waren hin und wieder Bäume vorhanden, jedoch oft nicht ohne große Probleme zugänglich. Meistens fanden sich nur kleine Sträucher, die nicht zum Anbinden des Antennendrahts geeignet waren.
 
Als Station nutzte ich: Transceiver Elecraft K2 mit 5 W Ausgangsleistung, eingebautem Akkumulator und Automatiktuner sowie DK9SQ-Mast als Träger für eine Groundplane (Up-and-Outer). Kopfhörer, Morsetaste und ein Ladegerät vervollständigten das Equip­ment.
 
Wohin mit der Funkstation?
 
Soll man das Funkgerät nicht besser im Handgepäck verstauen? Ich habe nun schon ei­nige Flüge mit der Funkstation im Gepäck hinter mir und kann Ihnen sagen, dass es in dem Teil des Gepäcks am besten aufgehoben ist, das nicht mit in die Kabine genommen wird. Warum? Oft besteht ein Flug aus mehreren Teilabschnitten und man kann das Ge­päck am Beginn der Reise über alle Zwischenstationen hinweg bis zum Ziel durch­checken lassen. Dann hat man nur einmal die folgende Prozedur zu durchlaufen: Beim Einchecken gibt man das Gepäck auf und geht danach in den nur noch Passagieren zugänglichen Teil des Flughafens. Man sucht sich einen freien Platz und wartet bis zum Zeitpunkt, an dem man an Bord gehen kann. Doch vorher wird noch einmal mein Name aufgerufen und ich werde zurück zum Schalter gebeten. Dort steht wieder meine Ta­sche, die ich eigentlich schon auf dem Weg ins Flugzeug vermutete. Mit der Tasche muss ich dann immer noch einmal zu einer speziellen Sicherheitskontrolle, da man auf dem Monitor beim Durchleuchten eine Metallkiste und Drähte entdeckt hat. Also öffne ich die Reisetasche und zeige den Sicherheitsleuten, was das Fragliche ist und beant­worte alle gestellten Fragen. Zur Sicherheit wird dann meist noch mit so einer Art Staubsauger geprüft, ob auch kein Sprengstoff in der Metallkiste (Transceiver) ist.
 
Dieses Verfahren finde ich toll! So brauche ich eventuellen Staub auf meinen Transcei­ver nicht selbst zu entfernen. Und außerdem fühle ich mich sicherer, da ja alle Gepäck­stücke richtig kontrolliert werden. Danach begleiten mich die Sicherheitsleute immer wieder zurück zu Schalter. Dort beginnt mein Reisegepäck dann die zweite Fahrt durch das Gebäude. Können Sie sich vorstellen, was passiert, wenn Sie diese Prozedur bei jedem Zwischenstopp machen müssen: raus aus dem einen Flugzeug, Transitbereich, Sicherheitskontrolle, alles auspacken und wieder einpacken, rein ins nächste Flugzeug. Und das vielleicht nicht bloß einmal, sondern bei jedem Stopp.
 
Reisegruppe vor dem Schloss Malahide nahe Dublin So etwas passierte mir nicht nur bei der Reise nach Irland, sondern bisher bei fast jeder Reise. Da lasse ich das Gepäck lieber im Gepäckraum! Am meisten in Erinnerung ist mir das Gesicht einer Frau des Sicherheitspersonals aus Frankfurt am Main geblieben, als ich am Beginn meiner Amateurfunkzeit den Elecraft K2 bei einem Flug im Handgepäck verstaut hatte. So große Augen hatte ich bisher nur bei kleinen Kindern zu Weihnachten gesehen. Als ich den Transceiver aus dem Ruck­sack geholt und ihr erklärt hatte, was es ist, schnappte Sie sich ihn und lief mit ihm sehr schnell direkt zum Flugkapitän - und ich hinterher, denn es war ja schließlich meine Sta­tion. Im Flugzeug angekommen befragte sie den Kapitän zur weiteren Verfahrenswei­se. Ergebnis: Ich sollte den Transceiver nicht während des Flugs einschalten. Ich werde mich hüten, den Transceiver ohne Antenne einzuschalten! Seit diesem Erlebnis ver­staue ich ihn nicht mehr dort. Zwar kann ich dann nicht kontrollieren, ob auch meine Funkstation mit an Bord ist, jedoch kann ich dann den Flug genießen und muss nicht mehrmals Fragen beantworten oder meiner Station hinterher laufen.
 
Kreuz und quer durch Irland
 
Reiseroute Irland besteht aus einer Hauptinsel (IOTA EU-115) und diver­sen bewohnten und unbewohnten Inseln in Küstennähe (IOTA EU-006, EU-007, EU-103, EU-121 und EU-122). Die Hauptinsel, auf der ich unterwegs war, ist nur etwa 465 km lang und rund 285 km lang. Obwohl die Insel so klein ist, gibt es 2 DXCC-Gebiete auf ihr, da die jeweiligen Gebiete un­terschiedlichen Staaten angehören: die Republik Irland und das zum Vereinigten Königreich gehörende Nordirland.
 
Mit der irischen Fluggesellschaft Air Lingus ging es von Frank­furt am Main nach Dublin und von dort aus weiter mit dem Bus nach Redcross in die Nähe von Arklow (An tlibhear Mór). Die Station blieb an diesem Abend in der Tasche. Erst wollte ich mal die Leute kennenlernen, mit denen ich nun 2 Wochen auf kleinem Raum zu­sammenleben würde - natürlich bei einem Guinness im Pub.
 
Kloster Jerpoint Nachdem es am zweiten Tag weiter in Richtung Süden nach Kilkenny (Cill Chainnigh) ging, wollte ich abends nun endlich auch ein paar Ver­bindungen herstellen. Schon während das Abendessen noch auf dem Herd kochte, baute ich meine Station in der Nähe des Busses auf. Den Antennenmast befestigte ich mit 2 dicken Gummibändern an einem Holzzaun. Und fast alle Mitreisenden wollten nun sehen, was dort an dem 10 m langen und wie eine Angelrute aussehenden Mast geschieht. Doch was war das? Alle 3 Sekunden knallte es sehr laut im Kopfhörer. Ein Weidezaun, der hinter Sträuchern versteckt war, mach­te sich (für mich) lautstark bemerkbar. Wahrlich schlechte Bedingun­gen für die erhofften QSOs! Doch eine Verbindung gelang, auch wenn ich mehrmals einige Sachen wiederholen lassen musste, da sie vom Knall und der AGC verschluckt wurden. Zur Schonung meiner Ohren hörte ich dann jedoch auf.
 
Halbinsel Dingle Heute endete unsere Fahrt in Killarney (Cill Airne), wo wir noch 2 weitere Nächte blieben und am Tage Touren von dort aus unternahmen. Am ersten und dritten Abend gelan­gen einige schöne QSOs quer durch Europa und auch eine Verbindung bis hinter den Ural. Der zweite war einem Tanz-Musical vorbehalten. Wenn man schon in Irland ist, soll­te man sich unbedingt mal eine dieser Stepptanz-Vorstellung ansehen!
 
Halbinsel Dingle Zum Aufbauen der Station kam ich erst 2 Tage später wieder, in Salthill nahe Galway (Gaillimh) - wieder ein Ort, an dem wir 3 Tage blieben. Die ersten beiden Abende kam ich nur wenig zum Funken, da wir relativ spät von unseren Tou­ren zurückkamen.
 
Schafe Doch eine "Menge" Verbindungen brachte der letzte Tag nahe Gal­way, an dem fast alle Leute der Reisegruppe einen Tagesaus­flug per Schiff zu den Aran-Inseln (Oileáin Árainn) machten. Da Fahrten mit dem Schiff meinem Magen eher unbekömmlich sind, baute ich nach einem Stadtbummel die Station am Strand auf. Eine gute Halterung waren die großen Steine, zwischen denen ich den Mast einklemmte. Damit er bei Wind nicht umkippt, sicherte ich ihn noch mit den Gummibändern am nächstliegenden Bro­cken. Den Transceiver auf einen halbwegs waagerechten Stein gelegt und los ging es. Ich rate Ihnen, irgendetwas Weiches zum Sitzen auf Steinen mitzunehmen. Mir tat je­denfalls nach ein paar Stunden der Hintern weh. Ich hätte den Pullover, den ich leicht­sinniger Weise im Bus gelassen hatte, sehr gut dafür gebrauchen können. Zwischen­durch kamen Spaziergänger über die als Wellenbrecher dienenden Steine geklettert und sahen neugirig zu. Ein Mann stellte viele Fragen zur Station und den bisher er­reichten QSOs. Ja, richtig geraten: ein Funkamateur! Leider habe ich mir sein Rufzei­chen nicht notiert, als er ging.
 
Klippen von Moher Die restlichen Tage der Reise waren vom Standpunkt des Amateurfunks nicht so interessant. Von Galway (Gaillimh) aus ging es unter anderem auch durch Clifden (An Clochán). Im nahe gelegenen Derrygimla war eine der beiden Stationen aufgebaut, mit der Guglielmo Marconi ab 1907 als Erster kom­merzielle drahtlose Telegrafieverbindungen über den Atlantik herstellte. Die zweite Station befand sich in Glace Bay in Newscottland. Die erste drahtlose transatlatische Nachricht (Morsezeichen S) wurde von Marconi schon am 12. Dezember 1901 von Poldhu in Eng­land nach St. John's in Neufundland übertragen.
Über Bundoran (Bun Dobhráin) und Ballycastle in Nordirland fuhren wir in den nächsten Tagen nach Dublin (Baile Atha Cliath). Von dort aus ging es wieder per Flugzeug nach Deutschland zurück.
 
Wieviele QSOs?
 
Nein, ich bin kein Funkamateur, der die QSOs mit Hilfe eines Computers im Takt von 5 Sekunden ins Logbuch einträgt. So etwas mache nicht einmal in einem der wenigen Conteste, an denen ich für ein paar Stunden im Jahr teilnehme. Wenn ich einen Ge­sprächspartner gefunden habe, interessiert mich vielmehr, wie er heißt, wo er wohnt, wie er mich hören kann und welche Station er benutzt. Da ich meistens in der Nähe der QRP-Frequenzen aktiv war, staunte ich, was für Stationen mit geringer Sendeleistung dort zu finden waren. Ein paar Leute mit 100-W-Stationen verirrten sich aber auch dorthin.
 
Poulnabrone Dolmen Ach ja, hier noch die in CW erreichten QSOs für alle Statisten: An insgesamt 6 Tagen erreichte ich in rund 9 Stunden insgesamt 28 QSOs auf 30 m, 20 m und 17 m mit Stationen in DL, EA, F, G, HA, HB, I, LY, OK, PA, RAas, SM, SP und W.
 
Nur 9 Stunden? Da hätte ich mich doch einfach nur mehr an die Station setzen müssen, um mehr Leute per Funkwellen zu erreichen! Woran lag es, dass ich nur so kurze Zeit in der Luft war? Das Wetter kann es nicht gewesen sein, denn in so einem gemäßigten Klima macht das Funken in der freien Natur einfach Spaß. Lag es an dem schönen Land, von dem man einfach nicht genug zu sehen bekommt? Lag es an den auch abends immer noch belebten großen und kleinen Orten? Wohlmöglich waren es auch die freundlichen Iren selbst, mit denen man schnell ins Gespräch kommt? Oder waren vielleicht die über­all zu findenen Pubs daran Schuld, in denen fast immer eine Live-Band spielte? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich war die Summe aller Gründe entscheidend. Dies berichteten mir auch Peter, DL2FI, und Ingo, DH5ST, die längere Zeit in Irland waren und mit denen ich mich gleich nach meiner Rückkehr unterhielt.
 
Gewinn oder Verlust?
 
Grafton-Straße in Dublin Nun werden Sie sich bestimmt fragen, ob es sich für mich gelohnt hat, eine komplette Amateurfunkstation mitzuneh­men. Ja, sicher! Und wäre es nur ein QSO gewesen, was ich im Logbuch mit nach Hause genommen hätte, wäre es ein Er­folg gewesen. Selbst bei einem totalen Fiasko hätte ich noch etwas aus den Fehlern lernen können, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Trauen Sie sich daher selbst einmal, Ihre Station mit auf die Reise zu nehmen. Ein prall gefülltes Logbuch werden Sie wahrscheinlich nicht wieder mit nach Hause bringen. Jedoch kann ich Ihnen eine Menge Spaß am anderen Ende einer DX-Verbindung garantieren.
 
PS. Irland - eine kleine grüne Insel, aber mit 2 Ländern darauf. Für Nicht-Iren schwierig zu verstehende Gründe haben das Land entzweit und eine Grenze und tiefe Wunden hinterlassen. Doch in jedem Land leben irische Frauen und irische Männer mit den gleichen Wurzeln. Ich hoffe, dass es so bald wie möglich wieder eine Nation gibt - ohne Gewinner und Verlierer, sondern mit gleichberechtigten Partnern.

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